Niki de Saint Phalle in Brühl

Im Reich der Göttin

Unter dem Titel »Spiel mit mir« wird eine Werkschau der Französin mit Schwerpunkt auf Arbeiten aus der Frühzeit gezeigt
Rabiat und poetisch:Skulpturen der Französin im Max-Ernnst-Museum

Bekannt ist Niki de Saint Phalle vor allem für Skulpturen im Außenbereich, wie hier in Duisburg. In Brühl zeigt sie auch kleinere Versionen ihrer Frauenskulpturen, den "Nanas".

Niki de Saint Phalle (1930 bis 2002) konnte ganz schön ruppig sein: Die bekennende Feministin schoss mit scharfer Munition auf eigene Gipsplastiken, in denen mit Farbe gefüllte Beutel explodierten. Die Farben ergossen sich über die schrundigen Flächen der verletzten Werke.

Wen wollte sie damit treffen? Die Künstlerin, mit dem Schweizer Bildhauer Jean Tinguely von 1971 bis zu dessen Tod 1991 verheiratet, antwortete mit Gegenfragen. "Daddy? Alle Männer? Kleine Männer? Lange Männer? Große Männer? Fette Männer? Mein Bruder John? Oder war ich das Bild?" Mit solchen Arbeiten und aggressiven Reliefs arbeitete sie ihre traumatische Kindheit auf – sie war vom Vater vergewaltigt worden. Diese martialische Seite ist aber nur ein Aspekt im Werk von Niki de Saint Phalle: Vor allem ihre fröhlichen "Nanas" sind zu ihrem Markenzeichen geworden, bunte, pralle Wesen, die mit ihren ausladenden Formen Lebensfreude, Poesie aber auch weibliches Selbstbewusstsein verkörpern. So mussten sich die Besucher, die 1966 ihre Ausstellung im Stockholmer Moderna Museet besuchen wollten, durch die Vagina einer 29 Meter langen und sechs Meter hohen Super-"Nana" mit Namen "Große Göttin" zwängen.

Bunter Reigen tanzender Häuser

Beide Aspekte im Werk vereint eine Ausstellung mit dem heiteren Titel "Niki de Saint-Phalle – Spiel mit mir" im Brühler Max-Ernst-Museum, die in Zusammenarbeit mit dem Museum Würth in Schwäbisch-Hall und dem Museum Tinguely in Basel entstand. Den Titel gab eines ihrer ersten Gemälde, ein bunter Reigen tanzender Häuser aus dem Jahr 1955. Das war eine Werkphase, in der Niki de Saint Phalle durch naive Malerei stark beeinflusst worden war, bevor sie dann in den sechziger Jahren alltägliche Dinge zu Assemblagen zusammenfügte – zunächst Spielzeuge, Federn, Stoffe oder Holzstücke, dann aber Messer, Pistolen, Beile und Zielscheiben, auf die sie mit Pfeilen schoss. In Brühl sind einige ihrer tanzenden oder auf dem Kopf stehenden "Nanas" zu sehen, dazu vor allem frühe Ölgemälde, die Schießbilder und Zeichnungen mit bunten, bizarren, surrealistisch anmutenden Fabelwesen.

Niki de Saint-Phalle: Spiel mit mir

Termin: 15. Januar bis 3. Juni; der Katalog, erschienen im Swiridoff Verlag, Künzelsau, kostet 34,90 Euro, 42 Euro im Buchhandel
http://www.maxernstmuseum.de/

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