Psycho - Deichtorhallen Hamburg

Emotionale Abgründe

Die Deichtorhallen Hamburg zeigen zwei Künstler, die sich mit emotionalen und gesellschaftlichen Abgründen beschäftigen. Ena Swansea und Robert Lucander nutzen ihre malerische Ausdrucksweise als einen Raum für Reflexion und schaffen eine Atmosphäre der Irritation.

Das Wort "Psycho" taucht in verschiedenen Ausführungen und Formen in der heutigen Zeit öfter auf. Psychische Probleme, welcher Art auch immer, sind heute fast schon normal. Diese Allgegenwart mag auch den derzeitigen Titel der Ausstellung "Psycho" in der Sammlung Falckenberg der Deichtorhallen Hamburg inspiriert haben. Auch der gleichnamige Horrorfilm Alfred Hitchcocks hat sicherlich seinen Teil dazu beigetragen.

Jedoch stammt der Titel "Psycho" auch von einem Bild der amerikanischen Künstlerin Ena Swansea, das in der Ausstellung zu sehen ist. In Kombination mit Gemälden des in Finnland geborenen Robert Lucander zeigt die Ausstellung Werke zweier Künstler, die sich auf unterschiedliche Weise mit den emotionalen Abgründen der heutigen Gesellschaft beschäftigen. Auch wenn sich die künstlerischen Verfahren von Swansea und Lucander deutlich unterscheiden, sind die Bilder beider gleichermaßen beeindruckend. Die Ausstellung widmet sich zwei Künstlern, die ihre malerische Technik meisterhaft beherrschen.

Ena Swansea, 1966 in North Carolina geboren, holt in ihren Bildern durch die imposante Pinselführung das Wesentliche aus ihren Motiven heraus, die sie meist in Fotografien findet. Der Prozess des Malens bleibt sichtbar und fängt die Melancholie des Gezeigten ein. Ein dunkles Schwarzgrau beherrscht überwiegend ihre Werke, als Grundierung verwendet sie eine Grafitpaste. Swanseas Bilder bewahren Distanz zum Betrachter, sie sind für ihn nicht greifbar, die gemalten Szenen umgibt eine Rätselhaftigkeit. Wie etwa in dem Bild "shadow and reflection" (2005), das die Rückenansicht einer kindlichen Gestalt aus der Ferne zeigt, die sich in einer Wasserfläche spiegelt und gleichzeitig einen riesigen Schatten durch von vorn einstrahlendes Licht wirft. Sowohl das Ausmaß der Wasserfläche als auch die Lichtquelle und die weitere Umgebung bleiben unbestimmt. In einer Führung durch die Ausstellung erfährt der Besucher, dass es sich bei der Gestalt womöglich um den Sohn der Künstlerin handelt, der in mehreren ihrer Bilder auftaucht. Beklemmend, bedrohlich und unheimlich ist die Atmosphäre in Swanseas Malereien.

Reflexion der medialen Bilderwelt

Robert Lucanders Motive stammen aus der Medien-, Mode- und Werbewelt, er holt sie sich also aus schon vorpräsentierten Abbildungen. Seine Maltechnik im Gegensatz zu Swansea wird überwiegend von Flächen und scharfen Konturen bestimmt. Auch die graue Farbigkeit durchbricht Lucander mit knalligen Tönen. Er untersucht die mediale Bildrhetorik, indem er die Bilder aus ihrem Kontext löst und Mimik, Gestik sowie Körperhaltungen isoliert und fragmentiert. Dabei arbeitet er mit Mitteln wie Reduktion, Montage und Spiegelung, was in jedem Fall skurril wirkt, in einigen Bildern eher lustig und anderen unheimlich. Als Malgrund verwendet der 1962 in Helsinki geborene Lucander Holzplatten, deren Maserung er immer wieder formal und inhaltlich in seine Bilder einbezieht. Ein äußerst beeindruckendes Beispiel für seine Technik ist das im Jahr 2000 entstandene Bild "Ausdruck einer wundersamen Freundschaft", ein Titel der ebenfalls von Rätselhaftigkeit umgeben ist sowie unterschiedlichste Assoziationen hervorruft. Das faltige und zerfurchte Gesicht der Frau lässt durch den intensiven mimischen Ausdruck und die integrierte Holzmaserung erahnen, welche Erlebnisse sich hinter diesem maskenhaften Antlitz verbergen. Lucander beschäftigt sich mit dem Schein der Medienwelt, bricht diesen auf und befragt so die stereotypen Darstellungen der uns umgebenden Bilderwelt.

Die thematische Gemeinsamkeit der beiden Künstler liegt trotz der unterschiedlichen Motive in dem Gefühl der Zerbrechlichkeit des Menschen angesichts vergangener und aktueller Entwicklungen. Die verschleierte Malart der Amerikanerin und die klar, flächige Arbeitsweise Lucanders stellen sich gerade durch ihren Kontrast gegenseitig heraus. Ergänzt wird das Ganze durch einzelne Werke aus der Sammlung Falckenberg, die thematisch an das Thema "Psycho" anknüpfen sollen. Das scheint in einigen Fällen jedoch nur oberflächlich stimmig zu sein, wenn es beispielsweise nur an der grauen Farbigkeit festgemacht wird. Aber eine so umfassende Sammlung will schließlich gezeigt werden.

Psycho: Ena Swansea und Robert Lucander

bis 25. März, Deichtorhallen Sammlung Falckenberg, Hamburg-Harburg

Der Besuch der Ausstellung ist nur im Rahmen von Führungen möglich, feste Termine: Mi+Do 18 Uhr, Fr 17 Uhr, Sa+So 11 und 15 Uhr. Eine Anmeldung ist erforderlich.

Der Katalog ist im Snoeck Verlag erschienen und kostet 14,80 Euro.
http://www.deichtorhallen.de