Keith Haring - Oberhausen

Erfolg mit Verknappung

Keith Haring lernte von der New Yorker Graffiti-Szene, dass man mit kurzen und einprägsamen Parolen komplexe Botschaften vermitteln kann. Die Ludwiggalerie zeigt seine Originalentwürfe für Poster und Plakate

Auch wer nur wenig Ahnung von Kunst hat, weiß ziemlich genau, wer Keith Haring war: "Der mit den Strichmännchen!" Diese verknappte Charakterisierung umschreibt ein Phänomen. Haring kam in einem Medium zu Weltruhm, das für die einen nichts als urbane Umweltverschmutzung bedeutete, für andere eine Befreiung der Kunst aus den Klauen geschäftstüchtiger Galeristen, die nicht in ehrfurchtgebietenden Museen eingesperrt war, sondern zu den Leuten auf die Straße kam.

Graffiti, die Haring nach einem kurzen Gastspiel an einer Kunstschule in Pittsburgh 1978 in New Yorks Straßen kennengelernt hatte, inspirierten ihn zu knappen Bildern und Parolen, die er zunächst mit Kreide auf Werbetafeln in der U-Bahn strichelte. Sein erstes Markenzeichen wurde das "Radiant Baby" in einem Strahlenkranz, das für Haring das Leben und die gute Seite des Menschen symbolisierte und Glück und Energie ausdrücken sollte. Schon 1980 hatte er Ausstellungen in Clubs, 1982 folgte die erste Schau bei Tony Shafrazy, und Haring wurde im selben Jahr zur documenta nach Kassel geladen. 1985 übertrug er seine fantasievollen, auf markante Formen reduzierte Kürzel auf Leinwände. Haring war etabliert.

Fröhliche Figuren, ernste Botschaft

Seine Art, Botschaften dem Betrachter kurz und bündig mitzuteilen, war prädestiniert für die Werbung. Er hatte erkannt, dass die "Short Message" des Plakats das perfekte Medium zur Verbreitung von Informationen jedweder Art war. Mit seinen verknappten Botschaften wies er auf eigene Ausstellungen oder andere kulturelle Veranstaltungen hin, bezog zu gesellschaftlichen Phänomenen Stellung. Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen hat dieser Seite von Keith Haring nun eine Ausstellung unter dem Titel "Short Messages" gewidmet. Zwischen 1982 und 1990 hatte er 85 eigenhändige Entwürfe angefertigt, die Originale sind nun komplett in Oberhausen zu sehen. So fröhlich und verschroben seine Figuren auch wirken – Haring beschäftigte sich auch mit ernsten Themen wie Rauschgift oder Aids. Er starb 1990, mit 32 Jahren, an der tödlichen Immunschwäche.

Keith Haring – Short Messages

Termin: 22. Januar bis 6. Mai 2012; Booklet zur Ausstellung: 4 Euro
http://www.ludwiggalerie.de/

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