Wilhelm Sasnal - München

Chiffren des Alltäglichen

Geschichte und Trivialkultur sind die Inspirationsquellen des Polen.

Comics, Werbung, Filme und Zeitungsbilder dienen Wilhelm Sasnal als Inspirationsquellen. In den Medien wurde der 1972 in Tarnów geborene Künstler deshalb schon als "polnischer Roy Lichtenstein" bezeichnet. Obwohl er seine Motive in der Alltagswelt findet – auch seine Frau Anka und sein Sohn Kacper gehören dazu –, sind seine Bilder weit entfernt von der Pop Art. Es ist die Malerei selbst, auf die er sich bezieht und deren Möglichkeiten er mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln auslotet.

Ganz selbstverständlich bedient er sich aus dem Fundus der Kunstgeschichte und mischt souverän Abstraktion und Gegenständlichkeit in seinen Bildern. "Malen ist kei­ne Spielerei, es ist nichts, was man zum Spaß tut; es ist mit einer Verantwortung verbunden, die ich sehr ernst nehme. Malerei ist mehr als nur ein formales Gedankenspiel", erklärte er in einem Interview. Nach dem Studium der Architektur und Kunst in Krakau arbeitete Wilhelm Sasnal zunächst mit Freunden in der Künstlergruppe Ładnie ("Hübsch"). Der oberflächlichen Haltung bald überdrüssig, begann er sich ab 2000 mit gesellschaftspolitischen Themen zu beschäftigen. Zur gleichen Zeit publizierte Jan Tomasz Gross mit "Neighbors" ein Buch, das die Polen nicht nur als Opfer der Nazis zeigte, und Art Spiegelman brachte den Comic "Maus" über den Holocaust heraus. Mit seiner verstörenden Bilderserie "Maus" (2001) beteiligte sich Sasnal an der Diskussion über den Perspektivenwechsel in der Geschichte seines Landes. Den Holocaust hat er auch später in seinen Gemälden und Filmen immer wieder thematisiert. Einen Überblick über das Werk des Künstlers vermittelt die Ausstellung im Haus der Kunst mit mehr als 60 Gemälden und einer Auswahl seiner Kurzfilme. Viele der Bilder erinnern an Schnappschüsse oder Filmstills. Es sind Chiffren des Alltäglichen, die vertraut und zugleich fremd erscheinen.

Wilhelm Sasnal

3. Februar bis 13. Mai 2012, München, Haus der Kunst

Der Katalog zur Ausstellung wird von der Whitechapel Gallery herausgegeben und kostet im Buchhandel 25 Euro
http://www.hausderkunst.de/aktuell/aktuell/wilhelm_sasnal.php

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