Gesamtkunstwerk - London

Gesammeltkunstwerk

Deutsche Gegenwartskunst, gesehen durch Charles Saatchis individuelle Brille.

Wenn man durch die 14 großzügigen Ausstellungsräume geht, bekommt man den Eindruck, als seien deutsche Künstler von heute hauptsächlich an Überbleibseln der Wegwerfgesellschaft interessiert. Max Frisinger etwa füllt seine Vitrinen mit Gerümpel, aus dem sich eine Art Ordnung herausschält. Alexandra Bircken baut aus Ästen, Draht und Stoff filigrane Gebilde, die aussehen wie Kleiderständer. Und Ida Ekblad verschweißt gefundenes Material zu abstrakten Konstruktionen.

Die Schau "Gesamtkunstwerk" ist beileibe keine repräsentative Übersichtsausstellung deutscher Gegenwartskunst. Und wenn es eine sein soll, dann ist sie durch die individuelle Brille des Sammlers Charles Saatchi gesehen. Und der liebt es eher großformatig, laut und bunt und kann sich für klein, aber fein nicht sehr begeistern. Also nicht die winzigen Abstraktionen der deutschen Turner-Preisträgerin Tomma Abts, sondern eher die wandfüllenden Holzschnitte mit karnevalesken grafischen Symbolen der Zwil­lin-ge Gert und Uwe Tobias. Auch die "Neue Kunst" des Untertitels ist irreführend – Julian Rosefeldts Fotocollage „Soap Sample V“ ist beispielsweise schon vor zehn Jahren entstanden.

Genzken und Georg hinterlassen den stärksten Eindruck

Und wenn "neu" auch "jung" meinen soll, dann trifft auch das nur auf einen Bruchteil der 24 Künstler zu – nicht einmal die Hälfte sind unter 40 Jahre alt; Isa Genzken und Georg Herold haben sogar die 60 schon überschritten. Sie sind es auch, die den stärksten Eindruck hinterlassen. Herolds zwei in die Länge gezogene liegende Frauenkörper von 2010, rot und blau lackiert, zitieren ironisch, elegant und zweideutig klassische Formen. Die Objektsammlerin Genzken türmt Badmintonschläger und ein gelbes Hütchen, zwei Lampenschirme und einen Klappstuhl übereinander. Skulpturen wie "Geschwister" (2004) entziehen sich der Frage nach Bedeu­tung, Gewissheit ist Genzkens Sache nicht. Anders als Saatchi, der die deutsche Gegenwartskunst nicht sehr überzeugend als aus einem Guss präsentiert.

Gesamtkunstwerk. New Art from Germany

bis 30. April, Saatchi Gallery, London

Der von der Saatchi Gallery herausgegebene Katalog kostet in der Ausstellung 10 Britische Pfund
http://www.saatchi-gallery.co.uk/

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