Der geteilte Himmel - Berlin

Entspannte Angelegenheit

Trilogie zur Nachkriegskunst Teil zwei: Ost trifft West.

Mit "Der geteilte Himmel. Die Sammlung. 1945–1968" ist Nationalgaleriedirektor Udo Kittelmann beim Mittelstück seiner dreiteiligen Sammlungspräsentation zur Kunst des 20. Jahrhunderts angelangt. Wie der von Christa Wolf entlehnte Titel der knapp 180 Werke umfassenden Ausstellung andeutet, berührt er damit eine traumatische Phase in der Geschichte des 1861 gegründeten Hauses.

Denn mit der deutschen Teilung und dem Mauerbau beschritt man institutionell getrennte Wege: "Der Westen ging ins Europäische und Internatio­nale, der Osten blieb dem Nationalen und der Kunst der DDR verpflichtet." So beschrieb es Dieter Honisch, Nationalgaleriedirektor von 1975 bis 1997, der das Museum nach der Wiedervereinigung wieder zusammen­geführt hatte. Seither wird aufgeräumt, restauriert, erweitert und umgebaut, doch inhaltlich stellte sich das Haus dem ungleichen Erbe der Geschichte bislang nicht.

Brückenbau mit Picasso

Nun wagen Udo Kittelmann und sein Co-Kurator Joachim Jäger den Anfang. Es braucht wohl schon einen Optimisten wie Kittelmann, um die DDR-Kunst-Bestände in der insgesamt rund 2500 Werke umfassen­den Sammlung der Neuen Nationalgalerie als einen "historischen Glücksfall" zu bezeichnen. Wie, so fragt man sich, könnte die Integration des Ost-Konvoluts in die Geschichte der Westkunst aussehen? Schließlich sollen die alten Gräben nicht erneut ausgehoben, aber auch nicht nivelliert werden. Als eine Möglichkeit erscheint das Aufzeigen von Bezugsgrößen: An Picasso, das weiß Kittelmann, haben sich in der Nachkriegsära viele Künstler abgearbeitet, ob West oder Ost. Also hängt nun ein Bild des Spaniers in unmittelbarer Nähe von Georg Baselitz' "Der Hirte" (1966), HP Zimmers "Gelbe Gefahr" (1961) und von Harald Metzges' "Abtransport der sechsarmigen Göttin" (1956) und Werner Tübkes "Lebenserinnerungen des Dr. jur. Schulze (III)" (1965).

Psychedelische DDR-Layouts statt Pop Art

Bedenkt man die Kontroversen, die sich in der Vergangenheit am Umgang mit der Kunst aus der DDR-Zeit entzündet haben, so erscheint die Ausstellung als eine überraschend entspannte Angelegenheit. Ansatzweise wird der Versuch sichtbar, die kunstgeschichtliche Hermetik zu durchbrechen, um nicht nur den ästhetischen Vergleich, sondern auch den sozialgeschichtlichen Rahmen deutlich zu halten. So werden etwa in einer Vitrine mangels Pop Art, die psychedelischen Layouts in DDR-Magazinen präsentiert. Doch an das Level der 2009 im Deutschen Historischen Museum gezeigten Ausstellung "Kunst und Kalter Krieg/Deutsche Positionen 1945–1989" reicht "Der geteilte Himmel" nicht heran. Auch so bleibt die alte Macht der versunkenen Blöcke spürbar. Selbst bei denen, die nicht mehr zerrieben werden können.

Der geteilte Himmel. 1945 - 1968. Die Sammlung.

bis 2013, Berlin, Neue Nationalgalerie
http://www.smb.museum/smb/home/index.php

Mehr zum Thema auf art-magazin.de