Claude Lorrain - Frankfurt

Der Mensch ist nur Staffage

Das Frankfurter Städel zeigt Zeichnungen, Drucke und Gemälde des Barockmalers (1600 bis 1682)

Gründe, sich für den Beruf des Künstlers zu entscheiden, gibt es viele. Claude Gellée, genannt Le Lorrain (der Lothringer) ging allerdings einen seltsamen Umweg: Über Kindheit und Jugend des 1600 im lothringischen Dorf Chamagne geborenen Claude ist wenig bekannt.

Sein späterer Biograf, Joachim von Sandrart (1606 bis 1688), erwähnte, dass er in der "Schreibschul" "wenig und schier nichts" gelernt habe und deshalb in die Lehre bei einem Pastetenbäcker ging. Da lothringische Köche im fernen Rom gesucht waren, ging Claude 1615 in die Ewige Stadt und wurde Koch des Landschaftsmalers Agostino Tassi, bei dem er auch eine Malerlehre absolvierte. Claude Lorrain war zunächst wohl vor al­lem vom niederländischen Künstler Herman van Swanevelt beeinflusst, der in Rom im selben Haus wohnte. Swanevelt schilderte die Bauwerke Roms "deskriptiv und akkurat", so Jon Whiteley, Kurator am Ashmolean Museum in Oxford, während Claudes Blätter dann aber rasch "freier und atmosphäri­scher" wurden.

Claudes Zeitgenossen bewunderten ihn hauptsächlich als Maler, heute sind seine Zeichnungen längst als eigenständige Meisterwerke anerkannt. Mit der Ausstellung "Claude Lorrain. Die verzauberte Landschaft" räumt das Frankfurter Städel-Museum deshalb auch den feinen Blättern – Zeichnungen und Druckgrafiken – breiten Raum ein. Ausstellungskustos Martin Sonnabend präsentiert Claude als Künstler, "der sich nicht nur in die sublimen Nuancen einer Landschaft" einfühlen konnte, "sondern auch in die besonderen Möglichkeiten der verschiedenen künstlerischen Medien".

Wie in seinen Gemälden war es Claude auch in seinen Zeichnungen nicht daran gelegen, exakte Beobachtungen festzuhalten. Ihm ging es um das Atmosphärische: Hafen­becken, von leichtem Dunst umflort, im goldenen Schein des Sonnenuntergangs oder Gebirgszüge, die sich im Nebel verlieren. Aus einem reichen Fundus von Studien konn­te er sich das Idealbild einer Landschaft zusammensetzen. Und die spielte in seinen Bildern stets die Hauptrolle: Selbst wenn er mythologische oder biblische Themen abhandelte, waren die Menschen im Angesicht der gewaltigen Natur meist nur Staffage. Zu den 130 in Frankfurt ausgestellten Werken gehören auch 13 Gemälde, darunter "Landschaft mit Ascanius, den Hirsch der Silvia erlegend" (1682), eine Leihgabe des Kooperationspartners Ashmolean Museum – es ist Claudes letztes Bild.

Claude Lorrain

6.5. Frankfurt/Main, Städel-Museum
Der Katalog ist im Hatje Cantz Verlag erschienen und kostet 34,90 Euro

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