freq_out - Stockholm

Seltsames Zwischenstadium

Das Moderna Museet, das bedeutendste schwedische Museum für zeitgenössische Kunst, hatte zum 48-stündigen Klangkunsterlebnis "freq_out" geladen – die geplante Party lief eher ruhig ab.

"Und wo ist hier bitte schön die Party?" Fragen wie diese waren an diesem frühen Freitagabend an jeder Ecke im Moderna Museet in Stockholm zu hören. Das bedeutendste schwedische Museum für zeitgenössische Kunst hatte zum 48-Stunden-Event "freq_out" geladen, und die Erwartungen waren hoch. Doch auf den über 4000 Quadratmetern Ausstellungsfläche – mit einer Klanginstallation, die aus verschiedenen Kompositionen von unter anderen Jacob Kirkegaard, Jana Winderen und Finnbogi Petursson besteht – ging es nicht allzu hoch her.

Direktor Birnbaum lässt sich die Stimmung nicht vermiesen

Daniel Birnbaum, der wie stets gut gelaunte Museumsdirektor, machte das Beste daraus: "Morgen wird es bestimmt voller, aber so lässt sich heute der Klang viel besser genießen." Er hatte den schwedischen Klangkünstler Carl Michael von Hauswolff gebeten, für die zwei Tage und zwei Nächte ein Programm zusammenzustellen. Jeder der Musiker spielt einmal während der 48 Stunden live, rund um die Uhr wird deren Kunst außerdem in einen der für "freq_out" umfunktionierten Ausstellungsräume gesendet. Im Laufe des Freitagabends kamen mehr und mehr Menschen, doch zumindest bis zwei Uhr nachts blieb die Stimmung ruhig, zu ruhig für eine Party, aber nicht ruhig genug, um sich auf die Musik konzentrieren zu können. Ein seltsames Zwischenstadium.

Künstler aus aller Welt – von Tromsø bis Beijing

Dabei ist großes Kunstwochenende in Stockholm: Gleichzeitig finden die Kunstmesse "Market" und die Alternativmesse "Supermarket" statt. Während die erste sich auf die etabliertesten der nordeuropäischen Galerien fokussiert und Teilnehmer wie Nordenhake (Berlin/Stockholm), Wallner (Kopenhagen), Anhava (Helsinki), i8 (Reykjavík) und Riis (Oslo/Stockholm) dort ausstellen, ist die zweite eine Messe nur für so genannte "artist run spaces". Die aber kommen dafür aus aller Welt – von Tromsø bis Beijing.

Im März "Willkommen zum Kunstplanet"

Angenehm war "freq_out" dann am Sonntag. Der erste, in rotes Licht getauchte, ansonsten leere Raum wirkte sakral. Der Ausstellungsraum ist kein rechteckiger White Cube, sondern an der Decke ist ein Oberlicht angebracht und die Decke läuft nicht parallel zum Boden, sondern spitz auf dieses Oberlicht zu. Der Kunstraum ähnelt einem Kirchenraum und verleitet zu Kontemplation. Ziemlich spannend wird es im Moderna Museet dann wieder im März. Derzeit nämlich dürfen alle Menschen im Alter bis zu 19 Jahren Werke ins Museum schicken. Die so entstehende Ausstellung "Willkommen zum Kunstplanet" wird dann rund einen Monat lang ausgestellt. Dafür hat Museumsdirektor Birnbaum Raum von 900 Quadratmeter im Kellergeschoss bereitgestellt. Auch eine Möglichkeit, ein neues Publikum zu gewinnen und neue Ideen an ein altes Publikum zu vermitteln.

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