Georgia O'Keeffe - München

Die Sinnlichkeit der Blumen

Leben und Werk der Symbolfigur einer neuen Frauengeneration.

Weiße Blüten sprießen aus dunkelgrünen Blättern, öffnen vor leuchtend blauem Hintergrund ihre prallen Blütenkelche – Georgia O’Keefes Blumenbilder vermitteln eine lebensfrohe Sinnlichkeit, der sich kaum jemand entziehen kann. Farbige Reproduktionen ihrer Gemälde finden sich heute in jedem Posterladen oder in aufwendig gestalteten Coffeetable Books.

Der Grund für ihre Popularität lässt sich nicht allein aus ihrem Werk erklären, sondern hat auch viel mit der Inszenierung der amerikanischen Malerin zu tun. Wesentlich dazu beigetragen hat der Galerist und Fotograf Alfred Stieglitz. Er traf Georgia O’Keeffe erstmals 1916 als junge Studentin und wurde später ihr Förderer, Freund und Ehemann. Bis in die dreißiger Jahre prägte er mit seinen Fotografien ihr Bild in der Öffentlichkeit.

Die ungewöhnliche Liebesgeschichte der jungen Malerin mit dem wesentlich älteren Doyen der New Yorker Kunstszene faszinierte das Publikum fast genau so wie das Werk der beiden Künstler. O’Keeffe (1887 bis 1986) wurde als freie, selbstbewusste und unabhängige Künstlerin zur Symbolfigur einer neuen Frauengeneration. Zweimal erschienen Reportagen über ihr Leben und Werk in der Zeitschrift "Life".

Die Ausstellung in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung gibt mit 75 Gemälden, Papierarbeiten und Skulpturen nicht nur zum ersten Mal in Deutschland einen umfangreichen Überblick auf das Werk der Ausnahmekünstlerin des 20. Jahrhunderts. Sie versucht auch mit Fotografien von Alfred Stieglitz, Paul Strand, Maria Chabot und Todd Webb Einblicke in ihr Leben zu vermitteln.

Viele sehen in Georgia O’Keeffe nur die Malerin von Blumenmotiven mit sublimen erotischen Anspielungen und farbenfrohen Abstraktionen. Dabei hat sie sich immer von ihrer Liebe zur Natur leiten lassen. Das sieht man vor allem an ihrem Spätwerk, das sie nach ihrem Umzug auf ihre Ranch in New Mexico entwickelt hat. Es sind Bilder der zerklüfteten kargen Landschaft, von beeindruckenden Felsformationen und Tierschädeln, die wie ein Memento mori wirken.

Georgia O'Keeffe – Retrospektive

bis 13. Mai, Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München

zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Hirmer Verlag zum Preis von 25 Euro, im Buchhandel 39,90 Euro
http://www.hypo-kunsthalle.de

Mehr zum Thema auf art-magazin.de