William Copley - Baden-Baden

Und ewig lockt das Weib

Die erste große Werkschau des amerikanischen Malers in Deutschland zeigt seine zahlreichen Variationen des Themas Akt und viele Werke, die noch nie hierzulande zu sehen waren.

Eines hat ihm keine Ruhe gelassen: die Frau, das ewig Weibliche. Immer wieder tauchen junge Mädchen in der Malerei von William N. Copley (1919 bis 1996) auf. Meist steht er mit Anzug und Bowler-Hut zwischen Blondinen.

Mal sitzt er mit ihnen an einer langen Tafel, mal überragen die nackten Damen den Maler mit ihrer beängstigenden Leiblichkeit. "Copley hat das Motiv raffiniert variiert", sagt Götz Adriani. Er hat für das Museum Frieder Burda in Baden-Baden eine Retrospektive des amerikanischen Künstlers zusammen-gestellt. Denn Copley habe jenseits aller Strömungen einen ganz eigenständigen Stil entwickelt. Der gebürtige New Yorker war Autodidakt. Er betrieb eine Galerie und war mit vielen Surrealisten befreundet, etwa mit Max Ernst und Marcel Duchamp.

Ermutigt von den Freunden entwickelte er sich vom Galeristen zum Künstler. Er begann mit "noch etwas surrealistisch angehauchten Bildern", wie Adriani es nennt, tendierte aber bald zur Pop Art und entwickelt den für ihn typischen Stil mit comicartigen, meist gesichtslosen Strichmännchen. "Er ist eher eine Randfigur der Pop Art", sagt Adriani, "seine Kunst ist einzigartig." Ungewöhnlich ist aber auch Copleys Leben. Er war ein Findelkind und wurde von einem reichen Zeitungsverleger adoptiert, so dass er sich nie ums Geld scheren musste und seine Werke oft verschenkte.

So finden sich bis heute viele Bilder in Privatsammlungen, aber kaum in deutschen Museen. In der Retrospektive, die bei den vierziger Jahren beginnt und den Bogen spannt bis 1994, zwei Jahre vor seinem Tod, zeige man entsprechend viel unbekanntes Material , so Adriani, und neben den Beständen aus der Sammlung Burda zahlreiche Leihgaben. Einen hohen ikonografischen Anspruch habe Copleys Kunst nicht, so Adriani, "aber sie ist sehr heiter". Selbstironie sei das vorherrschende Merkmal bei Copley, der stets der Hauptdarsteller seiner Werke gewesen sei, um zu zeigen, "wie er den Verführungskünsten des weiblichen Geschlechts hilflos ausgeliefert ist".

Der Katalog erscheint im Kehrer Verlag, Heidelberg, und kostet 38 Euro

Copley

Baden-Baden, Museum Frieder Burda

Bis 10. Juni
http://www.museum-frieder-burda.de/Ausstellungen.9.0.html?&L=0&shadow=938_02

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