Andy Warhol - Frankfurt

Katastrophen und Königsfamilien

Andy Warhol und die Massenmedien: Keine Schlagzeile war ihm zu banal, um nicht Kunst daraus zu machen

Die Schlagzeile wirkt wie ein Paukenschlag: "Eddie Fisher Breaks Down" steht da in gigantischen Lettern, so dass man meint, etwas unerhört Dramatisches sei geschehen. Dabei handelt es sich bei dem Ereignis, das die New Yorker "Daily News" am 29. März 1962 reißerisch in die Welt hinausposaunte, um nichts weiter als eine Beziehungskrise zwischen dem Sänger Eddie Fisher und seiner damaligen Frau Elizabeth Taylor. Die Übersetzung dieser Banalität durch ein Massenmedium muss Andy Warhol (1928 bis 1987) so fasziniert haben, dass er zum Pinsel griff.

"Daily News" (1962) aus der Sammlung des Frankfurter Museums für Moderne Kunst ist eine der ersten Leinwände, in denen sich der Pop-Art-Künstler mit den Massenmedien auseinandersetzte. Es ist – im Gegensatz zu später entstandenen Siebdrucken – ebenso von Hand gemalt wie das zeitgleich entstandene "129 Die in Jet" und das ein Jahr ältere "A Boy for Meg (2)", die alle Zeitungsseiten zeigen und in dieser Aus-stellung erstmals zusammen zu sehen sind. Mit ihnen markierte der Künstler, der in den Fünfzigern als Werbegrafiker schon einschlägige Medienerfahrungen gesammelt hatte, bereits jene Themen, die ihn ein Leben lang begleiten sollten: Katastrophen, Prominentenklatsch und Königsfamilien.

Die Schau, die dezidiert Warhols Umgang mit Massenmedien untersucht, vereint nun frühe, noch mit Kugelschreiber gezeich­nete Zeitungsarbeiten mit späten Siebdrucken, diversen Zeitungsfotografien, Filmarbeiten und Werken, die in Kooperation mit Jean-Michel Basquiat oder Keith Haring entstanden sind. Interessant ist vor allem der Vergleich mit den ebenfalls gezeigten Printmedien, die Warhol als Vorlagen dienten. Sie ermöglichen rare Einblicke in seine Arbeitsweise: Mal tauschte er den Namen eines Klempners gegen den eines Freundes aus, dann erhöhte er die Anzahl von Geiseln durch das Hinzufügen diverser Nullen. Im Fall von Eddie Fisher ließ Warhol einfach den Bildtext weg und betonte so die Vieldeutigkeit der abgebildeten Fotografie, die das Paar offenbar in glücklichen Zeiten zeigt.

Warhol. Headlines

Frankfurt, Museum für Moderne Kunst
Bis 13.5.

Weitere Stationen: Rom, Galleria Nazionale d’ Arte Moderna, 11. Juni bis 9.September; Pittsburgh, The Andy Warhol Museum, 14.Oktober bis 6. Januar 2013. Katalog: Prestel Verlag, 39,95 Euro

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