Friederisiko - Berlin

Spannender Blick auf den König

Friedrich der Große wird 300 Jahre alt. Potsdam feiert das Geburtsjahr des Monarchen mit einer kulturgeschichtlichen Panoramaschau. In dieser soll der Besucher einen neuen Blick auf den "Alten Fritz" werfen.

Karl Marx notierte einst über die Widersprüchlichkeiten der historischen Überlieferung: "Die Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden." Zu den in dieser Hinsicht besonders bedrückenden Anlässen dürfte das gerade begonnene Friedrich-Jahr zählen. Denn mit der Ausstellung "Friederisiko" macht sich die alte Garnisionsstadt Potsdam mit Hilfe der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) nicht nur daran, ihr historisches Erbe aufzuarbeiten. Es soll ein gänzlich neues Bild Friedrichs des Großen (1712 bis 1786) her, der im Volksmund "Der Alte Fritz" genannt wurde – jenseits der altbekannten drei großen Ks: Kartoffeln, Kunst und Kriege.

Zentrales Herzstück dieses intellektuellen Großvorhabens ist die vom Kurator Alfred Hagemann konzipierte kulturhistorische Panoramaausstellung "Friederisiko" auf rund 6000 Quadratmetern, verteilt über 70 Säle des Neuen Palais im Schlosspark von Sanssouci. Die rund 500 Ausstellungsexponate sind durch ein Dutzend Themenblöcke überschaubar gegliedert.

Im Fokus steht der Siebenjährige Krieg: In zwei Abteilungen wird er unter anderem als "Erster Weltkrieg" charakterisiert, werden die Teilung Polens, der Freundschafts- und Handelsvertrag mit den USA und Friedrichs Versuch, das Osmanische Reich als Verbündeten zu gewinnen, thematisiert. Kuratoren aus verschiedenen europäischen Ländern, so versprechen die Veranstalter, "riskieren den spannenden Blick von außen auf Friedrich und den preußischen Staat".

Die Prachtentfaltung der höfischen Feste manifestiert sich durch kostbare Porzellane, durch Kunsthandwerk, Malerei und Plastik. Der König selbst vermied es demonstrativ, Malern Modell zu sitzen: Ein Porträt, das Antoine Pesne, 1745, fünf Jahre nach der Thronbesteigung malen durfte, avancierte zum offiziellen Staatsporträt des Königs – über Jahrzehnte wurde es von verschiedenen Malern immer wieder kopiert. Nur das Gesicht ließen die Maler nach und nach altern. Friedrich ist für das Denken der Deutschen immer noch von zentraler Bedeutung. "Wenn die Deutschen über ihr Selbstverständnis nachdachten, spielte auch Friedrich II. eine Rolle." So umschrieb der Journalist und Kulturwissenschaftler Jens Bisky den unsichtbaren Kern dieses Friedrich-Jahres. Volkstümlich sei der Hohenzollernkönig in den letzten Jahren seiner Regentschaft selbst gewesen, zur Legende mutierte er im 19. Jahrhundert und zum Klischee im frühen 20. Jahrhundert. Es gilt zu klären, in welches Verhältnis sich die Gegenwart zur Geschichte setzt. So viel ist sicher: Die Profanisierung zur reinen Touristenattraktion hat der Alte Fritz noch nicht verdient.

Berlin: Eine ganze Stadt feiert ihren "Alten Fritz"

"Kunst – König – Aufklärung" heißt das Ausstellungsprogramm der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zum 300. Geburtstag von Friedrich II. Drei Kunstausstellungen stehen im Zentrum.

Die Schau "… den alten Fritz, der im Volke lebt" zeigt, so der Untertitel, "das Bild Friedrich des Großen bei Adolph Menzel". Im Kupferstichkabinett und der Gemäldegalerie in der Alten Nationalgalerie wird Friedrich II. als aufgeklärter Monarch, als willensstarker Kriegsherr, als Freund der Philosophie und der Künste in Arbeiten des Realisten (1815 bis 1905) gezeigt und von Künstlern, die Friedrich noch persönlich begegnet sind, wie Antoine Pesne oder Daniel Nikolaus Chodowiecki (bis 24. Juni).

Die "Künste der Aufklärung" stehen im Zentrum der Ausstellung "Von mehr als einer Welt" in der Kunstbibliothek – Werke unter anderem von Tiepolo, Thomas Gainsborough, Francisco de Goya, William Hogarth und Giambattista Piranesi (10. Mai bis 5. August).

Im Kupferstichkabinett am Kulturforum wird der Besucher mit Bilderzyklen der Aufklärungszeit konfrontiert, die sich, so der Titel, "Am Rande der Vernunft" bewegen – fantasievoll-kapriziöse, dunkle, irrationale Serien wie die düster-beklemmenden Architekturfantasien der "Carceri" von Piranesi oder die Caprichos von Goya. (bis 29. Juli).

Weitere Ausstellungen befassen sich mit Friedrich II. in Münzen und Medaillen (Bode-Museum, bis 14. Oktober) und den Porzellanen für die Schlösser Friedrichs (Schloss Köpenick, 15. Juni bis 28. Oktober).

Der Katalog im Hirmer Verlag kostet 29,90 Euro, der Essayband 34,50 Euro, zusammen 49 Euro. Im Buchhandel: 39,90 Euro, 45 Euro, das Paket kostet 65 Euro