Art and Press - Berlin

Ein kompliziertes Paar

Die Beziehung zwischen Kunst und Medien war immer schwierig. Beide sind meinungsbildende Bereiche, die nicht nur positiv, sondern auch gern einmal kritisch aufeinander reagieren. Seit jeher macht sich Kunst Presse als Material oder Gegenstand zueigen. Und Medien bewerten Kunst. Die Medien-und-Kunst-Ausstellung im Berliner Gropiusbau stellt hochkarätige Künstler zum Thema "Art and Press" aus – begleitet von einer fünfwöchigen Serie der BILD, die täglich einen zeitgenössischen Künstler einem breiten Publikum zugänglich machen will.
Sie streiten oder helfen sich:Kunst in Auseinandersetzung mit Presse

Derzeit im Martin-Gropius-Bau in Berlin zu sehen: Die Ausstellung "Art and Press". Hier zu sehen: Barbara Kruger, "Untitled ARTandPRESS", 2012, Vinyldruck

Normalerweise gehören Medienpartnerschaften eher zu den Nebensächlichkeiten eines Ausstellungsprojektes. Wenn sich jedoch die Bild-Zeitung für eine großangelegte thematische Kunstschau stark macht, dann ist das schon etwas Besonderes. In einer fünfwöchigen Serie stellte das Blatt ab Ausstellungsbeginn Ende März täglich über eine halbe Seite zur Verfügung, um der Leserschaft die Highlights der von Walter Smerling kuratierten Medien-und-Kunst-Ausstellung im Berliner Gropiusbau nahezubringen: Boulevard und Kunst – wie geht das zusammen?

Es funktioniert immer besser – dies attestierte jedenfalls Kultur-Staatsminister Bernd Neumann und arbeitete die mediale Hackordnung in seiner Eröffnungs-Rede noch einmal klar heraus: "Berichte in den einschlägigen Feuilletons sind wichtig, aber nur eine Zeitung mit einer so hohen Millionenauflage wie die BILD kann breiten Schichten den Zugang zur Kultur ebnen – vor allem zu der als schwierig und kompliziert geltenden zeitgenössischen Kunst." Auch Gropiusbau-Direktor Gereon Sievernich schwärmte von der "wunderbaren Zusammenarbeit" mit dem Medienkonzern, die helfe, sein Haus "noch bekannter und beliebter zu machen."

Doch profitieren tatsächlich alle, wenn Bild mit Hilfe von popularitätssüchtigen Kuratoren und Museumsleuten die zeitgenössische Kunst entdeckt? Es ist nicht bekannt, wie begeistert etwa die für ihren kritischen Ansatz gefeierte Amerikanerin Barbara Kruger war, deren extra für die Ausstellung produzierter Denkraum "Untitled" (2012) zum Themenkreis Migration in der Ausgabe vom 27. März vorgestellt wurde. Die kunstsinnige Redaktion packte die Werkbesprechung auf dieselbe Seite mit der regulären Fleischbeschau und schlüpfrigen Witzen. Stimmt schon, die Liste von über 50 Künstlern, die Kurator Smerling in Berlin präsentiert, ist mit Namen wie Polke, Richter, Rauschenberg, Gursky oder Beuys hochkarätig. Es ist jedoch das grobe Ausnutzungsverhältnis zur Kunst, das diese Ausstellung so besonders macht.

Art and Press. Ausstellungskatalog

Der Ausstellungskatalog ist im Wienand Verlag erschienen und kostet 34 Euro.

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