Schwarze Romantik - Frankfurt

Nachthymnen und Albträume

Die erste große Museumsschau in Deutschland zur düsteren und unheimlichen Seite der Romantik

Gefühlstrunken in jeder Hinsicht waren die Kreativen an der Schwelle vom 18. ins 19. Jahrhundert, jener sinnlichen Zeit, die wir heute – zurückgehend auf Novalis – die Zeit der Romantik nennen.

Und Novalis war es auch, der ihr Credo formulierte: "Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehn, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es."

Die mit der Französischen Revolution eingeläutete Zeitenwende brachte in weiten Teilen Europas die gewohnte gesellschaftliche Ordnung zum Kippen, was erst gefeiert und dann gefürchtet wurde. Auf das helle Licht von Aufklärung und Klassik folgte eine künstlerische Beschäftigung mit der Schattenseite der Vernunft: dem Mystischen, Geheimnisvollen, Unerklärlichen. Novalis: "Himmlischer, als jene blitzenden Sterne, dünken uns die unendlichen Augen, die die Nacht in uns geöffnet."

Zum ersten Mal beschäftigt sich nun eine groß angelegte Museumsschau in Deutschland mit der dunklen Seite der Romantik. Das Frankfurter Städel-Museum zeigt bis 20. Januar 2013 unter dem Titel "Schwarze Romantik" mehr als 200 Werke von rund 70 europäischen Künstlern, die das Unheimliche, Groteske und Schreckliche thematisieren, von dem die göttlich beseelte Natur und menschgemachte Weltenordnung plötzlich auch durchdrungen schienen.

Kaum ein Bild verdeutlicht die schwarz-romantische Weltsicht so wie "Der Nachtmahr" (1790/91) des Schweizers Johann Heinrich Füssli (1741 bis 1825): der Schlaf als dämonisch-albtraumhafte Bühne, die Schlafende hilflos der fantastischen Welt des Wahnsinns ausgeliefert. Auch des Franzosen Paul Hippolyte Delaroche (1797 bis 1856) Porträt seiner Frau "Louise Vernet auf dem Totenbett" (1845/46) zeigt, wie eng verwandt Schlaf und Tod wahrgenommen wurden: als nahe Schwelle zum mystischen Jenseits.

Kurator Felix Krämer erspürt Züge der Schwarzen Romantik in fast 200 Jahren Kunstgeschichte: von Giovanni Battista Piranesis labyrinthhaften Gefängnisstichen "Carceri" (1760) bis in surrealistische Traumdarstellungen von Salvador Dalí. Immer wieder werden die Kunstwerke auch mit wichtigen literarischen Werken der Zeit in Verbindung gebracht, darunter Charles Baudelaires "Blumen des Bösen". Auch die Beschäftigung der Symbolisten mit dem Unheimlichen im späten 19. Jahrhundert sieht Krämer als Ausläufer der Schwarzen Romantik. Im Katalog schreibt er: "Die Ausstellung präsentiert die Romantik nicht als eine in sich abgeschlossene Epoche, sondern als eine Geisteshaltung."

Schwarze Romantik. Von Goya bis Max Ernst

Frankfurt/Main, Städel-Museum

Der Katalog erscheint im Hatje Cantz Verlag zum Preis von 34,90 Euro, im Buchhandel 45 Euro
http://www.staedelmuseum.de/sm/index.php?StoryID=1463

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