Weiße Federn, schwarzes Fell - Hannover

Gute Tiere, böse Tiere

Das Sprengel-Museum zeigt Hintersinnges und Herzerwärmendes von großen internationalen Künstlern wie Max Beckmann, Pablo Picasso, Niki de Saint Phalle oder Joseph Beuys

Das Leben ist kein Streichelzoo, und die Fauna bietet nicht nur Schmusetiere, sondern hat auch dunkle Seiten. Dass diese Erkenntnis selbst in der Kunst ihren Niederschlag gefunden hat, vermittelt die Ausstellung im Hannoveraner Sprengel-Museum unter dem unverfänglichen Titel "Weiße Federn, schwarzes Fell".

Zwischen Schwarz und Weiß, Federn und Fell verbirgt sich eine auf- und anregende Welt von Farben und Materialien, von Emotionen und Beziehungen. Wie weit die Ausstellungsmacher das Thema der Ausstellung, "Tiere in Darstellungen des 20. Jahrhunderts", gefasst haben, verdeutlicht gleich zu Beginn einer von Joseph Beuys’ berühmten Filzanzügen. Denn das Rohprodukt für Filz, "ein textiles Flächengebilde aus einem ungeordneten, nur schwer zu trennenden Fasergut" (Wikipedia) stammt schließlich in den meisten Fällen vom Schaf.

Picassos Katze zerreißt einen Hahn

Die Ausstellung bietet dem Besucher viel Hintersinn und Absurditäten. Nathalie Djurbergs Video "Wir sind nicht zwei, wir sind eins" wirkt nur auf den ersten flüchtige Blick wie eine harmlose Küchenszene: Tatsächlich entpuppen sich die kleinen Figuren aus Knetmasse als ein scheußliches Zwitterwesen aus bösem Wolf und kleinem Mädchen. Pablo Picassos Katze zerreißt einen Hahn, Niki de Saint Phalle hat einen bizarren Drachen aus ihrem Film "Camélie et le Dragon" (1975) beigesteuert, und Karel Teige lässt einen surrelistischen Schwan mit Menschenbeinen Rad schlagen.

Katze beschmust Max Beckmann

Aber: Hund und Katze sind des Menschen beste Freunde, Kamerad Pferd isst man nicht, und natürlich kommt in der Hannoveraner Ausstellung auch der herzerwärmende Aspekt nicht zu kurz: Ein etwas mürrisch blickender Max Beckmann mit steifem Bowler wird von seiner Katze beschmust, bei Franz Marc treten rote Pferde, blaue Vögel und gelbe Rehe auf, Paul Klee, setzt der Riesenblattlaus ein zeichnerisches Denkmal, die Glucke von Ewald Mataré strahlt wohlige Gemütlichkeit aus ebenso wie die trinkende Katze "Büsi" im Video von Peter Fischli und David Weiss.

"Weiße Federn, schwarzes Fell"

Termin: bis 10. Februar 2013. Der Katalog kostet 20 Euro
http://www.sprengel-museum.de/