Sammlung Gunter Sachs - München

Die Sammellust eines Playboys

Gunter Sachs soll schon mit 16 sein erstes Kunstwerk gekauft haben. Seine Sammlung fasst 113 Werke, die zum Teil direkt mit seinem aufregenden Playboy-Leben in Verbindung stehen. In München ist die Sammlung nun zu sehen.

Als die Bilder aus der Sammlung von Gunter Sachs 1967 zum ersten Mal in der Villa Stuck gezeigt wurden, hatte man den Boden vorsichtshalber mit durchsichtiger Plastikfolie ausgelegt. Denn zur Vernissage erwartete man nicht nur den internationalen Jetset, sondern auch den französische Künstler César Baldaccini mit einer Performance.

Die Präsentation der Sammlung des legendären Playboys mit 113 Werken war der medienwirksame Auftakt des neu gegründeten Modern Art Museum München. Mit der privaten Initiative unter Schirmherrschaft von Konstantin von Bayern und anderen prominenten Unterstützern wollte man zeitgenössische Kunst in die bayerische Landeshauptstadt bringen. César hatte einen 30-Liter-Eimer mit einer chemischen Substanz auf dem Boden platziert, die er mit einem Quirl durchmischte. Durch die chemische Reaktion entwickelte sich ein fester Schaum, der über den Rand des Eimers heraustrat und sich über den Boden ausbereitete.

Rund 45 Jahre später ist die Sammlung Gunter Sachs wieder in der Villa Stuck zu Gast. Viele Leute sind zur Eröffnung gekommen, denn auch heute noch weckt der Name Sachs großes Medieninteresse. Eine rauschende Party hat hier aber niemand mehr erwartet. 2011 hat sich Sachs aus Angst vor den Folgen einer Alzheimer-Erkrankung das Leben genommen. Teile aus seiner Sammlung wurden in diesem Jahr bei Sotheby’s zu einem Rekordpreis versteigert. Immerhin waren seine letzte Ehefrau Mirja Sachs und sein Sohn Rolf Sachs aus erster Ehe anwesend.

Die Ausstellung dokumentiert mehr als 50 Jahre Sammeltätigkeit. Nach Aussagen seines Sohnes soll er schon mit 16 ein erstes Werk gekauft haben. Der Schwerpunkt der Präsentation liegt auf der Pariser Zeit, als der Industriellen-Erbe Ende der fünfziger Jahre ein luxuriöses Appartement in der Avenue Foch bezog und Bilder für die Wände benötigte. So kaufte er Bilder des Informel, des Surrealismus und des Noveau Realisme. Sein Turm-Appartement im Palace-Hotel verwandelt er dann Ende der sechziger Jahre mit Werken von Andy Warhol, Tom Wesselmann und Roy Lichtenstein in einen Tempel der Pop-Art. Später entdeckt er die Graffiti-Malerei als neues Sammlungsfeld. Einen roten Faden oder ein Konzept sucht man in der Sammlung von Gunter Sachs vergebens. Vielmehr dokumentiert sie seine persönlichen Interessen und Leidenschaften. Am schönsten sind in der Ausstellung deshalb auch die Arbeiten, die direkt mit dem aufregenden Leben des Playboys in Verbindung stehen, wie die Porträts seiner früheren Ehefrau Brigitte Bardot von Andy Warhol, die Spiegeltür von Michelangelo Pistoletto aus seinem Turm-Appartement in St. Moritz oder die Rekonstruktion des Nebelraums von Gotthard Graubner aus der Auftaktausstellung des Modern Art Museum München.

Die Hoffnung auf ein eigenes Museumsgebäude für zeitgenössische Kunst erfüllte sich damals nicht. Nach dem glorreichen Auftakt folgte im Modern Art Museum in den Jahren 1968 bis 1970 ein eher unentschiedenes Ausstellungsprogramm, das von der Kritik gnadenlos verrissen wurde. Die letzten Jahre gastierte das MAM in einer aufblasbaren Traglufthalle auf dem Gelände der Neuen Pinakothek. Schräg gegenüber steht dort heute mit der Pinakothek der Moderne der Museumstempel für zeitgenössische Kunst, den sich Gunter Sachs schon in den sechziger Jahren gewünscht hatte. Manchmal dauert es eben ein bisschen länger, bis Träume in Erfüllung gehen.

"Die Sammlung Gunter Sachs – Von Max Ernst bis Andy Warhol"

im Museum Villa Stuck, München
18. Oktober 2012 bis 20. Januar 2013

http://www.villastuck.de/ausstellungen/2012/sachs/index.htm