Mythos Atelier - Stuttgart

Wo die Kunst entsteht

Der Arbeitsraum des Künstlers war immer mehr als nur eine Werkstatt. Das Künsteratelier ist legendenumwoben. Die Staatsgalerie Stuttgart zeigt nun Ateliers von Dieter Roth bis Jonathan Meese.

Mal sieht man eine Katze, oder es flitzt eine Maus durchs Bild. Stühle sind verrückt. In "Mapping the Studio I" (2002) zeigt Bruce Nauman auf sieben Videoprojektionen sein Atelier – bei Nacht.

Nur Spuren lassen ahnen, was der Künstler am Tage geschaffen hat. Seit der Renaissance ist das Atelier ein Thema der Kunst. Seit dem 19. Jahrhundert sei es sogar ein zentrales Bildthema, sagt Ina Conzen. Sie hat in der Staatsgalerie Stuttgart die Ausstellung "Mythos Atelier" zusammengestellt und schlägt dabei einen Bogen vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

Mit 200 Gemälden, Fotografien, Videos und Installationen führt Conzen vor, dass ein Atelier mehr ist als nur Werkstatt. "Im 19. Jahrhundert fühlen sich die Künstler zunehmend als Außenseiter und müssen ihr Schaffen legitimieren", sagt sie. Das Atelier steht nun stellvertretend für den Künstler, "es bekommt Manifestcharakter". Bei Carl Spitzweg ist es kärglich, Malerfürsten wie Hans Makart haben prunkvolle Repräsentationsräume. Alberto Giacomettis Atelier wurde zu einer Art Pilgerstätte. "Er hat Jahrzehnte darin gehaust, weil er meinte, dass nur dort seine Kunst entstehen könne", erzählt Conzen. Direkt in die Wände ritzte er Skizzen, von denen einige gezeigt werden. Während Ernst Ludwig Kirchner das Atelier mit Bildern, Fotografien und Textilien gestaltete, die man auf seinen Gemälden wiederfindet, hat Piet Mondrian sein Konzept auf den Raum übertragen. Sein karges Pariser Atelier, das er mit farbigen Pappen auskleidete, ist als Rekonstruktion zu sehen.

Für die chronologisch konzipierte Ausstellung hat Conzen internationale Leihgaben nach Stuttgart geholt, aber sie zeigt auch einiges aus der Sammlung – wie die mit Mal­utensilien bestückte "Bar 0" von Dieter Roth, der den Alltag in die Kunst holen wollte und das Atelier zum Gespräch nutzte. Zeitgenössische Künstler machen sich dagegen zunehmend lustig über den Mythos Künstleratelier – wie Jonathan Meese in einer Videoarbeit. "Er springt durch sein Atelier", erzählt Conzen, "singt ,Ich bin der Märchenprinz‘ und klatscht Farbe an die Wand."

Mythos Atelier

Stuttgart, Staatsgalerie
bis 10.2.

Der Katalog erscheint im Hirmer Verlag, 34,90 Euro, im Buchhandel 45 Euro

http://www.staatsgalerie.de/ausstellung/mythosatelier/

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