Worpswede - Zeitgenössisch

Frischer Wind ins Teufelsmoor

In vier Häusern und vier Ausstellungen wird demonstriert, dass Worpswede auch ein Ort der lebendigen Auseinandersetzung mit aktueller Kunst ist.

Wenn von Kunst in Worpswede die Rede ist, denkt man unwillkürlich an Mitglieder der 1889 gegründeten Künstlerkolonie Worpswede wie den Freiluftmaler Otto Modersohn, seine Frau, die frühe Expressionistin Paula Modersohn-Becker, den Jugendstilmaler Heinrich Vogeler oder den Bildhauer Bernhard Hoetger.

Die Lebens- und Arbeitsgemeinschaft errang Ruhm weit über die Grenzen des Dorfes im Teufelsmoor. Dass Worpswede auch ein Ort der lebendigen Auseinandersetzung mit Gegenwartskunst ist, zeigt jetzt eine vierteilige Ausstellung unter dem programmatischen Titel "Worpswede zeitgenössisch".

Sie umfasst zum einen Einzelschauen von Josephine Meckseper (Jahrgang 1964), Bjørn Melhus (Jahrgang 1966) und Stefan Ettlinger (Jahrgang 1958) und zum zweiten eine Präsentation zum Paula-Modersohn-Becker-Preis (in der Großen Kunstschau Worpswede), der in diesem Jahr an Nina Maria Küchler geht. Die 1978 in Hamburg geborene Künstlerin arbeite in klarer und unverwechselbarer Weise mit den Traditionen der Moderne und breche sie zugleich, urteilte die Jury. Der Preis ist mit 7500 Euro dotiert. Der mit 1000 Euro dotierte Nachwuchspreis ging an die Videokünstlerin Lisa Domin, der Sonderpreis an den Bildhauer Jost Wischnewski.

Die erste Zeitgenossin, Josephine Meckseper, hat bereits im New Yorker MoMA ausgestellt, in der Londoner Tate Gallery und der Eremitage in St. Petersburg. Die erste Ausstellung der seit 1992 in New York lebenden Künstlerin wird in der Kunsthalle eine Auswahl von seit 2003 entstandenen Vitrinen, Skulptur-Installationen und Collagen zeigen, die auch von ihrer Auseinandersetzung mit dem Maler Heinrich Vogeler berichten.

Der international renommierte Videokünstler Bjørn Melhus zeigt im Haus Schluh drei Videoarbeiten: "I Do Not Belong in this House" (2011), "Hecho en México" (2010) und "I’m Not the Enemy" (2011). Für den letzten Film wurde Melhus im November 2011 mit dem Deutschen Kurzfilmpreis in Gold (Kategorie Animation/Experimental) ausgezeichnet. Stefan Ettlinger hatte 2004 als Stipendiat der Künstlerhäuser Worpswede für mehrere Monate auf dem Barkenhoff (wo auch seine Ausstellung zu sehen ist) gelebt und gearbeitet. Gezeigt werden Gemälde aus verschiedenen Serien wie "Déjà-vu" und "Still" von 2012 oder seine 2011 entstandenen "imaginären Bühnenbilder".

Worpswede zeitgenössisch

Termine: 3. November bis 27. Januar 2013; Orte: Barkenhoff, Kunsthalle, Haus im Schluh, Große Kunstschau Worpswede