Matta - Hamburg

Von "kalter Schönheit

Der Mann, der für den Surrealismus den Raum eroberte

Er war das Wunderkind des späten Surrealismus. 25 Jahre alt, vor Ideen sprühend betrat der Chilene Roberto Sebastián Antonio Matta Echaurren Mitte der dreißiger Jahre die Pariser Kunstszene und wurde mit offenen Armen aufgenommen.

Marcel Duchamp und André Breton erkannten das Kreative des jungen Mannes, der nach seinem Architekturstudium bei Le Corbusier arbeitete. Bestärkt von seinen Freunden brach Matta, wie er sich nannte, mit der rationalistischen Architektur und begann 1938 zu malen: Er schüttete Farben auf die Leinwand und verteilte sie nur dem Impuls folgend mit einem Schwamm, dann rieb er mit Lappen oder Fingern tiefer liegende Schichten wieder frei. Zufällig entstandene Tropfspuren inspirierten ihn zu biomorphen oder kristallinen Formen, die er mit dem Pinsel in den Bildraum malte. In New York, wohin Matta bei Kriegsausbruch ging, sorgten seine gewaltigen Kompositionen aus sich überlagernden farbigen Schleiern und Schlieren – Seelenlandschaften, in denen sich Ängste und Begierden widerspiegeln – für Furore. Galerist Julien Levy schwärmte von ihrer "kalten Schönheit".

Erstmals seit Jahrzehnten ist in Deutschland wieder eine Matta-Ausstellung zu sehen – erst im Hamburger Bucerius-Kunst-Forum, dann im Museum Frieder Burda in Baden-Baden. Kuratorin Marga Paz hat für die Gemeinschaftsproduktion 40 Werke vereint. Sie spannt einen Bogen von den surrealistischen Anfängen bis zu späten in Italien entstandenen Werken. Denn New York blieb nur eine Station im bewegten Leben Mattas. Der Mann, der für den Surrealismus den Raum entdeckte, entwickelte sich zu einem links gesinnten Künstler. In den USA des Kalten Kriegs gab es für ihn keine Zukunft. Nach Aufenthalten in Chile und Frankreich fand Matta bis zu seinem Tod 2002 in Italien eine neue Heimat. Trotz seines politischen Engagements, blieb der Raum sein zentrales Thema, auch wenn sich in den Farbsphären seiner Werke oft verstörende Szene zwischen menschenähnlichen Wesen, geometrischen Gebilden oder merkwürdigen Maschinen abspielen.

Matta. Fiktionen

Hamburg, Bucerius-Kunst-Forum
bis 6.1.2013
Baden-Baden: 18. Januar bis 2. Juni 2013

Katalog im Hirmer Verlag, 24,80 Euro


http://www.buceriuskunstforum.de/ausstellung/matta-fiktionen-1/?cHash=8f3e844ec58ff0c42f282911da12d2e4

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