Kunst im Faschismus - Florenz

Buntes Allerlei

Eine Vielfalt an Stilen und Tendenzen wurde verwirrend zusammengepresst

Die Ankunft am Hauptbahnhof in Florenz ist ein guter Auftakt für den Besuch der Ausstellung "Anni Trenta" (Die dreißiger Jahre).

Dank Mussolinis Eingriff in den Wettbewerb sicherte sich Italien 1933 gegen den Protest der Traditionalisten ein aufsehenerregend modernes Bahnhofsgebäude. Im selben Jahr wurde in Dessau das Bauhaus geschlossen. Ganz anders als in Deutschland verhielten sich in Italien die künstlerischen Avantgarden dem Faschismus gegenüber werbend.

Die Modernisierungsleistung des italienischen Faschismus ist ein lang verdrängtes Thema, dem sich auch die Ausstellung im Palazzo Strozzi nur zögernd nähert. Die Auswahl der Exponate sei nicht einfach gewesen, sagt James M. Bradburne, Generaldirektor der Palazzo-Strozzi-Stiftung und früherer Leiter des Frankfurter Museums für Angewandte Kunst. Die Kunstproduktion einer an Stilen und Tendenzen reichen Epoche wurde auf rund 100 Gemälde zusammengepresst. Ein buntes Allerlei, das zur Verwirrung führt.

Die Schau setzt mit dem dumpfen Pathos der großförmig vereinfachten Figuren von Mario Sironi ein, einem Vertreter der restaurativen "Novecento"-Bewegung. Überall in Europa regten sich damals neoklassizistische Tendenzen. Für die Selbstdarstellung des faschistischen Regimes eignete sich
die Idee von einer Rückkehr zur nationalen Tradition. So sicherten sich die Novecentisten eine Monopolstellung in der Öffentlichkeit, die sie auch in der Ausstellung beibehält. Warum? Den Auftakt zur Schau hätte Bruno Munari geben können, der schon 1930 kinetische Skulpturen entwickelt hatte. Die futuristische "Flugmalerei" und der geometrisch bestimmte Konstruktivismus hätten mehr Beachtung verdient. Ein melancholischer Stimmungston geht von der figürlichen Malerei aus. Überall nachdenklich aufgestützte Köpfe, gedankenschwere Unbeweglichkeit, verschlossene Gesichter. Nicht gerade das Wunschbild vom faschistischen Menschen.

Die dreißiger Jahre. Kunst in Italien unter dem Faschismus Florenz

Palazzo Strozzi
bis 27.1.

Der Katalog (Giunti Editore) kostet 32,30 Euro
http://www.palazzostrozzi.org/SezioneAnni30.jsp?idSezione=1853&idProgetto=2&idLinguaSito=2

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