Nackte Männer - Wien / Linz

Enormer Aufwand mal zwei

Zwei Museen, ein Gedanke: nackte Männer – von Rubens bis zur Gegenwart

Derlei Abstrusitäten passieren sonst nicht einmal mehr in der engen Wiener Museumslandschaft, in der es zwischen manchen Museen ein Sport zu sein scheint, sich gegenseitig Ausstellungen abzuschießen.

Das Leopold-Museum ist bei diesem Spiel meist mitten drinnen, sein Kerngebiet österreichische Moderne überschneidet sich nun einmal naturgemäß mit den Aktivitäten so ziemlich aller anderer Museen, vor allem des Belvederes. Diesmal konkurriert man allerdings mit der Provinz: Zum gleichen Zeitpunkt wie das Lentos-Kunstmuseum in Linz zeigt man nämlich auch im Leopold-Museum diesen Herbst eine Kunstgeschichte des nackten Mannes.

Wer zuerst die Idee hatte, darüber stritt man sich schon am Beginn der Vorbereitungen vorigen Winter in aller Öffentlichkeit. Stella Rollig, Lentos-Direktorin, fühlte sich um Konzept und angefragte Leihgaben geprellt. Tobias G. Natter, neuer Direktor des Leopold, konterte, dass die Vorstellung des nackten Mannes schon seit Jahren im Haus kursierte und hier sowohl Kompetenz als auch Bestand dafür unschlagbar seien. Natter ist tatsächlich ein Spezialist bei nackten Tatsachen, seine Ausstellung "Die nackte Wahrheit" 2005 in der Schirn-Kunsthalle Frankfurt (die dann auch ins Leopold-Museum weiter wanderte) markierte einen neuen Standard zu diesem Thema.

Wer auch immer jetzt die Idee als erster hatte, wird nicht mehr eruierbar sein. Es bleiben zwei große Ausstellungen samt Kata­logen, die sich vor allem bei den österreichischen Teilen stark überschneiden, auch wenn versucht wurde, unterschiedliche Konzepte zu betonen. Was aber schon der Vergleich der Titel ad absurdum führt: Wird in Linz "Der nackte Mann" beleuchtet, wirbt man in Wien mit "Nackten Männern". In Linz allerdings kooperiert man mit dem Buda­pester Ludwig-Museum und bezieht daher auch Künstler aus Osteuropa ein. Das ganze Haus hat man für die Schau ausgeräumt und 300 Werke von über 200 Künstlern, darunter erstaunlich vielen Künstlerinnen, ausgewählt. In Wien war man selektiver, obwohl man in der Geschichte weiter zurück, bis zu Rubens geht: Von 96 Künstlern (davon elf Künstlerinnen) werden 265 Werke gezeigt. Alles in allem ein enormer Aufwand mal zwei.

"Der nackte Mann" und "Nackte Männer"

Der nackte Mann
Linz, Lentos-Kunstmuseum
bis 17.2.

Nackte Männer
Wien, Leopold-Museum
bis 28.1.


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