Richard Hamilton - London

Vermächtnis eines Malers

Richard Hamilton wollte mit seinem letzten Bild eine Hommage an die Kunstgeschichte leisten – nun zeigt die National Gallery postum seine Vorstudien. Eine Hommage des Pop-Art-Künstlers an die Großen der Kunstgeschichte.

Bis kurz vor seinem Tod im September 2011 hatte sich Richard Hamilton mit einer Ausstellung für die National Gallery in London beschäftigt, die eine Art Apotheose eines langen künstlerischen Schaffens werden sollte.

Während dieser Zeit arbeitete der 89-jährige Vater der britischen Pop Art auch an einem Gemälde, zu dem er sich von der Kurzgeschichte "Das unbekannte Meisterwerk" von Honoré de Balzac hatte anregen lassen. Es sollte im Mittelpunkt der Schau stehen, "eine profunde Meditation über Kunst, Schönheit und Verlangen", wie Kurator Christopher Riopelle sagt. Doch als dem Künstler klar wurde, dass er es wegen seines sich ständig verschlechternden Gesundheitszustands nicht würde vollenden können, entschloss er sich, stattdessen drei große Vorstudien vorzustellen, von denen jede einen verehrten Altmeister bei der Arbeit zeigt: Poussin, Courbet und Tizian beobachten einen liegenden Akt. Zusammengenommen sollten sie erkennen lassen, was sein letztes Gemälde hätte werden sollen.

Seit Mitte der fünfziger Jahre, als er in der Schau "This is Tomorrow" in der Whitechapel Art Gallery seine erste Pop-Collage zeigte, untersuchte Hamilton immer wieder Motive wie die bildnerische Schaffung von Innenraum oder die Darstellung von weiblicher Schönheit. Auch interessierte er sich für die technischen Möglichkeiten der Kunstpraxis, sei es, dass er lange vergessene Druckverfahren wiederbelebte, oder ganz früh schon den Computer für sich entdeckte. Gerade bei einem seiner Lieblingsmotive, den schier endlosen Variationen der Zentralperspektive, öffnete ihm die digitale Technik neue Wege.

Die meisten der mehr als 30 Arbeiten der Schau, die bis zum Jahr 1964 zurückgehen, stammen aus den letzten zehn Jahren, in denen Hamiltons Beschäftigung mit dem Werk Marcel Duchamps sein Schaffen immer stärker prägte. Er wollte den ihm zur Verfügung gestellten Ausstellungssaal in der National Gallery eigentlich in ein dramatisches Labyrinth verwandeln, mit schräg in den Raum ragenden Wänden. Doch um die drei großformatigen Balzac-Studien als Höhepunkt der Schau richtig zur Geltung zu bringen, entschied sich der Kurator für eine einfachere Hängung.

Richard Hamilton: The Late Works

London, National Gallery
Bis 13.1.

Der Katalog kostet 9,99 Britische Pfund (rund 12,40 Euro)
http://www.nationalgallery.org.uk/whats-on/exhibitions/richard-hamilton-the-late-works