Nate Lowman - New York

Scharf geschossen

In seiner Foundation in Greenwich zeigt Sammler Peter Brant den New Yorker Künstler Nate Lowman mit seiner Ausstellung "I wanted to be an artist and all I got was this lousy career".

Nach Sandy, Schneesturm und all der Aufregung vor den Präsidentschaftswahlen hatte sich die New Yorker Kunstgemeinde etwas Ablenkung verdient. Und die bekam sie stilvoll auf einem Silbertablett serviert: Der Sammler Peter Brant lud zur Ausstellungseröffnung von Nate Lowman in seiner Foundation in Greenwich, Connecticut, ein.

Eine Ehre, die in der Vergangenheit mit Urs Fischer, Josh Smith, Karen Kilimnik und David Altmejd bereits andere Künstler aus Brants Sammlung hatten.

Urs Fischers Skulptur "Big Clay" steht auf dem Rasen vor der 110 Jahre alten umgebauten Scheune, in der Brants Ausstellungsräume untergebracht sind. Es handelt sich bei der Arbeit um einen gewaltigen, mit den Händen geformten und aus Aluminium gegossenen Klumpen, auf dem die Fingerabdrücke des Künstlers zu sehen sind. Fischer spielte mit der Arbeit Goliath – um seine Kollegen zu überragen, wie es scheint. So ergeht es jedenfalls dem erst 33-jährigen Nate Lowman. Ein Künstler, der viel Pulver verschießt, so ein prominenter New Yorker Sammler bei der Eröffnung. "Aber häufig daneben schießt." Ein Treffer gelang Lowman mit den Duftbäumen, die New Yorks Taxifahrer mit Vorliebe in ihre Yellow Cabs hängen und die der Künstler vergrößerte, beschmierte, beklebte, bemalte und in humorvolle Zeitdokumente verwandelte. Neben anderen Symbolen und Formspielen wie Pizzas oder Lowmans "Bullet Holes", den Einschlusslöchern, pflastern die Bäume eine riesige Wand.

Die Marilyn-Monroe-Porträts, auf denen sich der Künstler mit Andy Warhol und Willem de Kooning abzumühen scheint, wirken gewollt. Seine Pinnwände mit Urlaubskarten von halbnackten Bikini-Girls aus Mexiko sind ebenso belanglos wie die Abschleppachsen, die er wie die Kreuze auf einem Friedhof vor einem Doors-Filmplakat arrangierte. Lowman, der wie sein prominenter Sammler Peter Brant und dessen Ehefrau, Top-Modell Stephanie Seymour und ihren beiden medien-wirksamen Söhnen, durch eine Beziehung zu einem der Olsen-Zwillinge in die Klatschspalten geraten war, bedient sich bei seinen Arbeiten gern bei Nachrichtenfotos und -material. Etwas Neues scheint es sowieso nicht mehr zu erzählen zu geben. Also verarbeitet der New Yorker Künstler die Bilderflut, die uns umgibt. Das Foto des Schauspielers Jamie Foxx mit einem mit rassistischen Symbolen beschmierten Surfbrett in Hawaii, das Bild eines Winter-Resorts in der Kunstwelt der Vereinigten Arabischen Emirate, die berüchtigte US-Eiskunstläuferin Tonya Harding, das Gemälde eines Mannes, der vom Tower des World Trade Centers springt.

Vor Fischers Skulpturen-Monstrum parkte Nate Lowman einen weißen Ford Bronco. Es handelt sich um das Auto, das der mutmaßliche Mörder O.J. Simpson 1994 fuhr, als er vor laufenden Fernsehkameras vor der Polizei flüchtete. Lowmans Faszination für Simpson spiegelt sich auch in seinen geisterhaften Smiley-Face-Bildern wieder. Einen Brief, den der ehemalige Footballspieler an seine Fans schrieb, als er im Verdacht stand, seine Ehefrau und ihren Freund ermordet zu haben, unterzeichnete er mit dem grinsenden Gesicht. Brant, der seit Teenagerjahren sammelt und sein Geld in der Papierindustrie und mit Magazinen machte, hatte den Bronco für 15000 Dollar von seinem jetzigen Besitzer für die Ausstellung geliehen. "40 Prozent der Arbeiten stammen aus meiner Sammlung", erklärte Peter Brant, dessen Kunstschatz vor allem für Arbeiten von Koons, Warhol und Cattelan bekannt ist. Die restlichen 60 Prozent werden vom Künstler selbst und seinen Galeristen geliefert. Lowman wird in New York von Michele Maccarone vertreten und hatte dort 2010 in Zusammenarbeit mit der Galerie von Gavin Brown eine große Ausstellung. "I Wanted To Be An Artist And All I Got Was This Lousy Career" nannte er seinen großen Auftritt bei Peter Brant. Kollegen wie Richard Prince, Dan Colen, Rob Pruitt, Terry Richardson und Aaron Young, Sammler Eli Broad und Museumschef Jeffrey Deitch kamen, um Lowmans Ausstellung zu feiern, über das weite Polo-Feld zu flanieren oder wie Brants jüngster Sohn vor Simpsons Bronco für Fotos zu posieren. Kunst in der heutigen Welt bezeichnete Nate Lowman in einem Interview als "Poker-Chips für Milliardäre". Das Spiel scheint er mit Vergnügen mitzuspielen.

The Brant Foundation


http://www.brantfoundation.org/