Schwestern der Revolution - Ludwigshafen

Weit gereist und emanzipiert

Schon Ende des 19. Jahrhunderts waren die Akademien in Russland für Frauen geöffnet worden. Eine Auswahl der Werke, die in jener Zeit durch Künstlerinnen der Russischen Avantgarde entstanden, zeigt das Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen in der Ausstellung "Schwestern der Revolution".

Sie waren gebildet, reich, weit gereist, erfolgreich – und das, obwohl sie Frauen waren. Die russische Avantgarde ist eine der Kunstrichtungen, bei der sich beide Geschlechter auf Augenhöhe begegneten.

Trotzdem sind die Werke von Alexandra Exter, Natalja Gontscharowa oder Ljubow Popowa im Westen selten zu sehen. Das will Reinhard Spieler mit der Ausstellung "Schwestern der Revolution" im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen ändern.

Das Museum ist eines der wenigen in Deutschland, das große Bestände der russischen Avantgarde besitzt. Der Museums­direktor hat zudem 79 Werke aus der Moskauer Tretjakow-Galerie geliehen. "Wir wollen die Frauen in den Mittelpunkt stellen, weil das ein spannendes Kapitel ist", sagt er. Die Künstlerinnen haben gemalt, Stoffdesign, Bühnenbilder, Kostüme und Plakate entworfen. "Es ist faszinierend, dass sie das gesamte Lebensspektrum abgedeckt haben", sagt Spieler.

In Ludwigshafen werden nicht nur Gemälde wie "Komposition" (1914) von Alexandra Exter gezeigt, die das Leben farbenfroh in einer Verbindung aus Futurismus und Kubismus einfängt. Sondern es sind auch Kostüm- und Bühnenbildentwürfe wie von Ljubow Popowa zu sehen, die konstruktivistische Maschinen mit riesigen Rädern baute. Der expressionistisch gestaffelte Balkon, den Exter für "Romeo und Julia" gestaltete, wird für die Ausstellung rekonstruiert.

Auch im Modedesign setzten die Künstlerinnen Maßstäbe – wovon die Zeichnungen von Natalja Gontscharowa zeugen, auf die sie Stoffe applizierte. Einige der von Ljubow Popowa entworfenen, abstrakten Stoffmuster wurden auf der Grundlage von Zeichnungen nachproduziert. Dass die Künstlerinnen so erfolgreich waren, liegt daran, dass die Akademien in Russland schon Ende des 19. Jahrhunderts für Frauen geöffnet worden waren. "Sie hatten eine sehr gute Ausbildung", erklärt Reinhard Spieler, und da sie meist auch wohlhabend waren, konnten sie in die Kunstmetropolen reisen. "Sie waren ganz nah dran", so der Kurator. Die Ausstellung konzentriert sich auf die Zeit von 1907 bis Anfang der dreißiger Jahre. "Dann ist es mit der großen Kunst vorüber", sagt Spieler, "der politische Druck wird so groß, dass die künstlerische Freiheit beschnitten wird."

Schwestern der Revolution – Künstlerinnen der Russischen Avantgarde

Bis 17.2.13
Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen


Der Katalog (Hirmer Verlag) kostet 29 Euro, im Buchhandel 39,90 Euro
http://www.wilhelmhack.museum/