Conrad Felixmüller - Chemnitz

Anwalt der Arbeiterklasse

Der als Wunderkind bekannt gewordene Conrad Felixmüller trat für eine Fusion von Politik und Kunst ein. Das Chemnitzer Museum Gunzenhauser widmet dem in Dresden geborenen Maler eine Sonderausstellung und zeigt dabei auch sein bisher kaum gewürdigtes Spätwerk.

Gerade mal 23 Jahre jung ist Conrad Felixmüller (1897 bis 1977), als er sich porträtiert: mit proletarischer Schiebermütze, entschlossen geballten Fäusten und angespannten Zügen.

Es ist keineswegs das Bildnis eines jungen Bohemiens, vielmehr das eines erfahrenen Kämpfers. Der kantige, expressive Malstil unterstreicht die Botschaft eindrucksvoll. Dieses Gemälde und 115 weitere Werke befinden sich im Bestand des Chemnitzer Museums Gunzenhauser, das dem in Dresden geborenen Maler jetzt eine Sonderausstellung widmet, ergänzt um exzellente Leihgaben.

Zum Zeitpunkt des Selbstporträts hatte sich der als Wunderkind gehandelte Felixmüller künstlerisch bereits einen Namen gemacht. Gleichzeitig trat er als Anführer radikaler Künstlergruppen wie der "Dresdner Sezession Gruppe 1919" für eine Fusion von Politik und Kunst auf. Zu seinen damaligen Weggefährten gehörten Otto Dix, der Dichter Walter Rheiner oder der Kunstkritiker Will Grohmann. Als Felixmüller 1920 den sächsischen Staatspreis erhielt, ignorierte er dessen Stiftungsregeln, die eine Reise nach Rom vorschrieben. Er verwendete das Geld lieber für einen Aufenthalt im Ruhrgebiet. Dort dokumentierte er das schockierend ärmliche Leben der Grubenarbeiter in Zeichnungen, Druckgrafiken, Gemälden und Briefen. Damals schreibt er: "Es stand förmlich Herz und Verstand still; ich konnte mir nicht klarmachen, dass tatsächlich hier Menschen mit Spitzhacke und Bergwerkslampe in die Tiefe steigen." Noch heute erschüttern diese kubistisch aufgesplitterten Zyklen. Sein Ruf als unbeirrbarer Anwalt der Arbeiterklasse stammt aus dieser Zeit.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit, wie die aktuelle Ausstellung zeigt. Bislang wurde, so Kurator Thomas Bauer-Friedrich, Felixmüllers Wirken im Dritten Reich und in der DDR von der Forschung ignoriert. Zunächst zwar als entarteter Künstler diffamiert, fand er in der Nazizeit doch sein Auskommen – nicht zuletzt, weil er völlig mit dem wilden Jugendwerk brach und zu einem eher gefälligen Realismus fand. Damit passte der einstige Provokateur auch nach 1945 perfekt ins Schema der ostdeutschen Kulturpolitik. Von 1949 bis 1962, als Professor an der Universität Halle, pries er malend den sozialistischen Alltag jener Aufbruchsjahre. Seltene Leihgaben aus Privatbesitz zeigen in Chemnitz diesen bislang unbekannten Felixmüller. Doch letztlich fand der ewige Idealist auch in der Arbeiter- und Bauernrepublik nicht das erhoffte kommunistische Paradies: 1967 emigrierte er nach Westberlin.

Conrad Felixmüller

Termin: bis 7. April 2013, Kunstsammlungen Chemnitz Museum Gunzenhauser, Chemnitz

Der Katalog erscheint im Wienand Verlag und kostet im Museum zirka 30 Euro
http://kunstsammlungen-chemnitz.justexpertise.de/index.php?loc=ghm