Jan van Eyck - Rotterdam

Ein Ufo wird geerdet

Noch heute lässt die Kunstgeschichte die altniederländische Malerei gerne mit Jan van Eycks OEuvre beginnen. Das Museum Boijmans möchte diese Sichtweise korrigieren und zeigt anhand von rund 100 Leihgaben aus Europa und den USA eine Gegenüberstellung von van Eyck und seinen Vorgängern.
Der Weg zu Van Eyck:Jan van Eyck

Jan van Eyck: "Arnolfini-Hochzeit", 1434, Öl auf Holz, 81,8 x 59,7 cm

Die Generationen nach ihm sind aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen: Was für ein Virtuose! Auf einmal hatte der Hintergrund Tiefe bekommen, die dargestellten Personen warfen Schatten und besaßen individuelle Gesichtszüge. Und dann erst die kostbaren Stoffe, in die sie gehüllt waren: Gold und Brokat, Samt und Pelze – alle so täuschend echt, dass man sie am liebsten anfassen würde.

Jan van Eyck (um 1390 bis 1441) gilt als einer der wichtigsten Erneuerer der Malerei. Gleichwohl über Nacht schien der Flame die kunsthistorische Bühne betreten zu haben, wunderte sich schon Karel van Mander: Der hatte 1604 für sein "Schilder-Boeck" (Malerbuch), der ersten nördlich der Alpen erschienenen kunsthistorischen Schrift, vergeblich nach Vorläufern Ausschau gehalten, um dann zu konstatieren: "Ick vinde niet" (Ich finde nichts). Noch heute lässt die Kunstgeschichte die altniederländische Malerei gerne mit van Eycks Œuvre beginnen – als sei dieser "wie ein Ufo gelandet" und sein berühmter Genter Altar "aus der Luft gefallen", so die Konservatoren und Kuratoren der Ausstellung Friso Lammertse vom Museum Boijmans in Rotterdam und Stephan Kemperdick von der Berliner Gemäldegalerie.

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Die zentralen Merkmale und künstlerischen Umbrüche der Epoche: ein Schnellkurs zu Malerei und Architektur des Mittelalters

Mit ihrer Schau "Der Weg zu van Eyck" wollen sie diese Sichtweise korrigieren: Rund 100 Leihgaben aus Europa und den USA von Vorläufern und Zeitgenossen, alle zwischen 1390 und 1440 entstanden, weisen van Eycks Wurzeln und Inspirationsquellen auf: Tafelbilder, Zeichnungen, Goldschmiedearbeiten und Skulpturen. Von van Eyck selbst sind unter anderem die "Verkündigung" aus Washington zu sehen, die "Heilige Barbara" aus Antwerpen und das berühmte Turin-Mailänder Stundenbuch mit seinen beiden einzigen bekannten Miniaturen.

Der Kern der Schau besteht aus Tafelbildern, die sich damals zum führenden künstlerischen Genre entwickelten, von denen jedoch nur ein Bruchteil erhalten geblieben ist. Vor allem in den Niederlanden sind die meisten dem Bildersturm zum Opfer gefallen, von ihrer Existenz zeugen oft nur noch Zeichnungen oder Kopien. Gegenüberstellungen von van Eyck und seinen Vorgängern wird es so schnell nicht wieder geben. An der Finanzierung dieser kostbaren Schau wäre auch das Boijmans beinahe gescheitert – erst recht, nachdem das Museum die Kosten nicht mehr wie geplant mit der Berliner Gemäldegalerie teilen konnte, wo die Ausstellung auch gezeigt werden sollte. Die stand Rotterdam zwar nach wie vor mit ihrer Expertise zur Seite, aber das für van Eyck reservierte Budget, so wollte es die deutsche Bundesregierung, musste für das Russlandjahr 2012/13 eingesetzt werden.

Der Weg zu van Eyck

Termin: bis 10. Febraur 2013

Boijmans van Beuningen, Rotterdam

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog
http://www.boijmans.nl/en/