Nofretete - Berlin

Der Fund aus Haus P 47,2

100 Jahre nach der Entdeckung der Nofretete-Statue zeigt eine Ausstellung die Welt der Amarna-Zeit – mit Leihgaben aus New York, Paris und London.

Die deutschen Ausgräber im ägyptischen Amarna (früher: Achet-Aton) bekamen im Dezember 1912 hohen Besuch.

Prinz und Prinzessin Johann Georg von Sachsen und Prinzessin Mathilde, mit Hofstaat auf Bildungsreise durch Ägypten, beehrten das Team der Deutschen Orient-Gesellschaft unter der Leitung des Archäologen Ludwig Borchardt mit ihrer hochwohlgeborenen Gegenwart – und wurden Zeugen einer sensationellen Ent­deckung: Borchardt und seine Leute hatten in den Überresten des Ateliers von Bildhauer Thutmosis, genauer: in "Haus P 47,2", neben anderen Artefakten eine Porträtbüste gefunden, die Borchardt der Überlieferung nach prosaisch als "bemalte Prinzessin" bezeichnete oder auch "meine bunte Königin" nannte.

Es war der 50 Zentimeter hohe Kopf von Nofretete, aus Kalkstein gefertigt und mit bemaltem Gips überzogen, der Hauptgemahlin von Pharao Echnaton (Neues Reich, 18. Dynastie, um 1340 vor Christus), heute ein weltberühmtes Schönheitsideal, das seit 2009 im Berliner Neuen Museum in einem eigenen Saal die Besucher aus aller Welt begeistert.

Das Ägyptische Museum und Papyrussammlung erinnert jetzt mit einer großen Sonderausstellung im Neuen Museum an das Funddatum. In Amarna wurden zwischen 7000 und 10 000 Objekte ausgegraben, von denen sich rund 5000 in Berlin befinden, ausgestellt wurden bislang meist nur wenige Schlüsselobjekte, wie Modellköpfe aus Stuck und einige Skulpturen. Die Jubiläumsausstellung wird einen umfassenden Blick auf die Lebenswelt jener Epoche anhand des Berliner Bestands geben. Aufwendig restaurierte Keramiken und Schmuck, Einlagen und Statuenfragmente geben Einblick in das Leben in der Stadt zu Nofretetes Zeit, ihrer Häuser und ihrer Bewohner.

Zu den Objekten aus den Beständen des Hauses kommen Leihgaben aus dem Metropolitan Museum of Art New York, dem Pariser Louvre und dem British Museum in London. Highlights sind – neben dem berühmten farbig gefassten Porträtkopf – weitere zum Teil unvollendete Modellbüsten der Schönen und ihres Gemahls Amenophis IV.; der hatte sich nach der Einführung einer monotheistischen Religion mit dem Sonnengott Aton an der Spitze, Echnaton – der Aton dient – genannt. Ein weiterer Höhepunkt ist ohne Zweifel auch eine Standfigur der Nofretete, die als Hauptwerk der realistischen Phase der Amarna-Kunst gilt: Die ausgeprägten Körperformen werden von einem transparenten Gewand kaum verhüllt. Sie ist eine der wenigen mehr oder minder vollständig erhaltenen Standskulpturen der Nofretete. Sie wurde in der Werkstatt eines Bildhauers in Armana gefunden.

Ludwig Borchardt hatte über die Ausgrabungsfunde zähe Verhandlungen mit dem ägyptischen Staat geführt, von Teilung des Fundes war die Rede. Am 7. Mai 1913 konnte er der Altertümerverwaltung in Berlin berichten, ihm sei "etwas bange" wegen der "Teilung unseres großartigen diesjährigen Fundes" gewesen. Und gab grünes Licht: Er könne mitteilen, dass "ich Ihnen im August in Berlin den ganzen Fund werde vorführen können". Mit dem Zusatz "allerdings bis auf weiteres in einem dem Publikum nicht zugänglichen Raum, damit uns hier die Teilungsbedingungen nicht noch mehr erschwert werden".

Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete

Berlin Neues Museum
7.12.– 13.4.13

Der Katalog ist im Michael Imhof Verlag erschienen; er kostet im Museum und im Buchhandel zirka 24,95 Euro und ist auch in einer englischen Ausgabe erhältlich

http://www.smb.museum/smb/kalender/details.php?objID=29934&datum=07.12.2012+00:00

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