Fotorealismus - Tübingen

Drei Generationen der Fotorealisten

Die Schau in der Kunsthalle Tübingen würdigt das fotorealistische Spiel mit Echtheit und Täuschung.

Das Chromgestänge funkelt wie Geschmeide, elegant schwingen sich die Rohre.

So schön kann der Motor einer Honda sein. David Parrish hat 1972 das Herzstück des Motorrads detailgetreu gemalt. Er gehörte zu den Pionieren des Fotorealismus, den die Kunsthalle Tübingen in einer Ausstellung würdigt. Kaum ein Stil hält sich so ausdauernd, bis heute eifern Maler der Fotografie nach. "Die Frage, ob echt ist, was wir sehen, ist eben immer noch dringlich", sagt Nina Knoll.

Knoll hat mit Otto Letze die Wanderausstellung des Instituts für Kulturaustausch in Tübingen organisiert und stellt die drei Generationen der Fotorealisten vor. In den sechziger und siebziger Jahren wollten Amerikaner wie Charles S. Bell, Tom Blackwell oder Chuck Close dem abstrakten Expressio­nismus etwas entgegensetzen und malten Konsumartikel, Alltagsobjekte und Produkte des American Lifestyle. Don Eddy hat sich dem Auto verschrieben: "Untitled (4 VWs)" von 1971 zeigt die Chromteile von VW-Käfern.

Den Fotorealisten geht es um die Wahrnehmung. "Die Medien spielen in den sechziger und siebziger Jahren eine wichtige Rolle und damit die Frage, was ist echt, was ist Manipulation", sagt Knoll. So rücken die Künstler irritierende Ausschnitte einer Fassade oder eines Kaugummiautomaten ins Bild. "Eigentlich kennt man es, aber in der Dimension ist es verzerrt", sagt Knoll.

Auch die späteren Fotorealisten malen Spielzeuge oder Glasgefäße, aber die Entstehung der digitalen Fotografie wirkt sich zunehmend auf die Gemälde aus. "Die Bilder sind noch realistischer, der Schein trügt noch mehr", sagt Knoll. Auch die Perspektive ändert sich. Städte werden nicht mehr von der Straße aus wahrgenommen: Raphaella Spence etwa ist für ihr schillerndes Stadtpanorama "Vegas" (2011) mit einem Hubschrauber geflogen, um ihre Ansichten von oben dann auf die Leinwand zu übertragen.

"Trotz modernster Hilfsmittel bleibt es Handarbeit", sagt Knoll. Ben Johnson hat zwar eine Werkstatt und lässt vom Computer Schablonen fertigen, es ist aber aufwendige Malerei. "Diese Künstler sind sehr ausdauernd, ehrgeizig und detailverliebt", sagt Knoll, "das ist eine handwerkliche Höchstleistung."

Fotorealismus. Malen mit der Kamera

Tübingen, Kunsthalle
bis 10.3.

Der Katalog (Hatje Cantz Verlag) kostet 39,80 Euro
http://www.kunsthalle-tuebingen.de/index.php?option=com_content&task=view&id=280&Itemid=72&catid=148

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