Erwin Wurm - Wien

Überraschungswerke

Noch nicht einmal die Kuratorin wusste, woran Erwin Wurm für seine Werkschau in der Albertina arbeitete. Jetzt sind seine Porträts von Künstlern des 21. Jahrhunderts mit der Körpersprache der Gotik in Wien zu sehen.

Ob fette Autos, Menschen mit Köpfen in Mauern, Frauen und Männer mit Orangenbrüsten oder ein umgedrehtes Einfamilienhaus auf dem Dach eines Wiener Museums – der 58-jährige Künstler Erwin Wurm ist stets auf der Suche nach Formen, in denen sich Skulptur zur Handlung ausweitet.

Immer wieder aufs Neue arbeitet er an den Grenzen von Bildhauerei, Installation, Aktion und Performance. Und schafft darüber hinaus durch den Einsatz von Alltäglichem und Beiläufigem humorvolle und ironische Kommentare auf gesellschaftlich relevante Themen.

In den letzten Jahren wurde der Österreicher vor allem durch seine "One Minute Sculptures" international bekannt. Hier lässt er Menschen für wenige Augenblicke zu Kunstwerken werden. Handlungsanweisungen machen es möglich: Ausstellungsbesucher stecken ihre Köpfe und Arme in Kühlschränke, verstecken sich in Einkaufstüten oder ziehen auch schon mal Stühle an.
Diese Aktionen werden in Videos und Fotografien dokumentiert oder direkt im Ausstellungskontext vom Besucher selbst aufgeführt. So bleibt er nicht bloßer Betrachter der Kunst, sondern wird selbst zum Element der künstlerischen Arbeit.

Nun hat Erwin Wurm eine Einzelausstellung in der Wiener Albertina, in deren Vorfeld noch nicht einmal Kuratorin Antonia Hoerschelmann wusste, was den Ausstellungsbesucher im Detail erwarten wird. Den Schwerpunkt der Ausstellung bildet eine neue Werkgruppe, die erst in den Monaten vor der Eröffnung entsteht. Sie befasst sich medienübergreifend mit dem Thema des menschlichen Körpers, dabei wird der Körperbegriff des 21. Jahrhunderts mit der Körpersprache der Gotik konfrontiert. Der in Bruck/Mur geborene Künstler porträtierte dafür unter anderem Kollegen der österreichischen Kunst- und Kulturszene mit der Kamera, um die Fotos dann teilweise zu überarbeiten und zu übermalen.

Erwin Wurm – De profundis

Wien, Albertina
Bis 17.2.

Der Katalog erscheint im Hatje Cantz Verlag und kostet 25 Euro
http://www.albertina.at/jart/prj3/albertina/main.jart?rel=de&content-id=1202307119260&ausstellungen_id=1313041138569