Acts of Voicing - Stuttgart

Die Stimme des Chaos

Beliebig und überfrachtet: die Ausstellung zu "Poetiken und Politiken der Stimme" im Württembergischen Kunstverein.
Sehenswertes und Bedeutungsschweres:Mundraum und Zähne sind nicht sehr erhellend

Tim Etchells: "Void Story", 2012, Courtesy: Tim Etchells

Sie ist federleicht und kann doch gewichtig sein: die menschliche Stimme.

Dass sie mehr sein kann als ein Mittel der Kommunikation, will der Württembergische Kunstverein Stuttgart mit "Acts of Voicing" zeigen. Eine ambitionierte Unternehmung, bei der es um die "Poetiken und Politiken der Stimme" gehen soll. Iris Dressler und Hans D. Christ haben eine Erlebnislandschaft aufgebaut mit Videokojen, Podesten und einem stockfinsteren Zimmer.

Wer es darin aushält, kann hören, wie Manuel Pelmus auf Englisch über die Bewegung des Körpers sinniert. "Was ist Kunst?", fragt Raša Todosijević in seinem Video von 1976. Eine Männerhand macht sich auf einem Frauengesicht zu schaffen, während die Frage wiederholt wird – wie im Verhör. Stumm sind die Fotografien von Rainer Kanal, der bei Vorträgen von Naomi Klein oder Noam Chomsky fotografiert hat und den sozialen Akt selbst sichtbar macht.

Doch die Ausstellung verliert sich in Beliebigkeit und wird mit politischen Projekten überfrachtet. Da geht es dann um "dekoloniales Denken und Diskurse der europäischen Aufklärung", oder es werden Archive präsentiert wie das von Ranjit Hoskoté, der Zusammenhänge zwischen Kulturen erforscht und Sätze an die Wand geschrieben hat wie "Tradition ist der Name, den wir einer Hybridität geben, die wir vergessen haben".

Es gibt sehenswerte Arbeiten wie das Video "Teaching a Plant the Alphabet" von John Baldessari, in dem einer Zimmerpflanze Buchstaben beigebracht werden sollen. Aber wenn das Duo Smith/Steward in "Inside Out" Mundraum und Zähne filmt, ist das wenig erhellend.

Letztlich scheren sich die Ausstellungsmacher wenig darum, ihr Publikum zu erreichen. Auch hermetische Positionen könnten ja sinnfällig präsentiert werden, aber das geschieht hier nicht. Am Ende ist es wie bei Marcus Steinweg, der Begriffe und Philosophennamen in ein kompliziertes Diagramm gebracht hat. Man liest viel Bedeutungsschweres wie "Optional Texture" oder "The Zeitgeist" – und hört letztlich doch nur, so der Titel der Arbeit, "Die Stimme des Chaos".

Acts of Voicing

Stuttgart, Württembergischer Kunstverein
Bis 13.1.

Ein Reader zur Ausstellung kann kostenlos von der Webseite des Museums heruntergeladen
http://www.wkv-stuttgart.de/programm/2012/ausstellungen/acts-of-voicing/

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