Food - Genf

Mehr als ein Ökoausflug

Von Beuys bis Abramovic: Die Ausstellung "Food" zeigt Kunst über Nahrung und Lebensmittel - mit politischem Anspruch, aber ohne Zeigefinger.

Für Joseph Beuys war es ein Experiment, passend zu seiner Idee der "sozialen Plastik": Er hielt sich in den siebziger und achtziger Jahren mehrmals in den Abruzzen auf, hielt Vorträge über Landwirtschaft und fertigte in einem italienischen Dorf Arbeiten mit Olivenöl.

Was im offenen Denken des Künstlers wie ein Ökoausflug anmutet, findet in einer Zeit erneut Interesse, die sich mit radikalen Veränderungen in der Produktion von Lebensmitteln auseinandersetzen muss.

Große Agrarkonzerne monopolisieren Saatgut und verhindern das Fortbestehen lokaler Anbautraditionen. Gentechnische Möglichkeiten verändern unsere Lebensmittel. Der Klimawandel verursacht Naturkatastrophen. Immer noch gelten eine Milliarde Menschen als unterernährt, während die wohlhabenderen Regionen unverhältnismäßig viele Ressourcen verbrauchen. Biosprit gehört dazu. Kein Wunder also, dass Beuys in einer Ausstellung prominent vertreten ist, die sich Lebensmittel, Landwirtschaft und Ernährung zum Thema macht.

Die Gruppenschau "Food", die unter der Leitung von Adelina von Fürstenberg in Genf ihre Premiere feiert und anschließend durch verschiedene internationale Städte (wie São Paulo, Delhi und 2015 zur Weltausstellung in Mailand) auf Tournee geht, ist Teil eines größeren Unterfangens, das mit Filmen, Vorträgen und Konferenzen auf die Welternährungssituation aufmerksam machen möchte. Glücklicherweise sind die Künstler jedoch so breit ausgewählt, dass die politische Botschaft zugunsten eines offenen kulturellen Horizonts im Hintergrund bleibt.

Gewiss, da sind die Vogelscheuchen Gianni Mottis, die aussehen wie abgewrackte Manager, die über den Feldern hängen und den Anbau überwachen. Es gibt aber auch Arbeiten wie das Video von Marina Abramovic´, das die Performance-Queen zeigt, wie sie mit schmerzverzerrtem Gesicht in eine Zwiebel beißt und, wie sie sagt, ihr Leben beklagt. Die Künstlerliste ist bunt gemischt. Die Themen reichen von traditionellen Anbauweisen in Indien bis zu der globalen Präsenz von Coca-Cola. Wer die Ausstellung nüchtern angeht, dürfte auch humoristische Aspekte entdecken. Die Blume aus Cornflakes von Meret Oppenheim sollte man jedenfalls nicht mit steinernem Blick betrachten.

Food – Reflections on Mother Earth, Agriculture and Feeding

Genf, Musée Ariana
Bis 24.2.
http://www.ville-ge.ch/ariana/index.php?content=1.2.1.1.1.1.&id_eve=1261&langue=frs

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