Ausstellungen 2013 - Jahresvorschau

Die Kunst-Highlights 2013

Martin Kippenberger, Vermeer und Philip Guston: Wir sagen Ihnen, welchen Ausstellungen Sie unbeding sehen müssen.

Berlin: sehr gut | very good

"Kunst wird ja sowieso immer erst im Nachhinein betrachtet," sagte Martin Kippenberger einst in einem Interview.

"Was dann die Leute noch von mir erzählen oder nicht erzählen werden, entscheidet. Ob ich gute Laune verbreitet habe oder nicht. Und ich arbeite daran, dass die Leute sagen können: Kippenberger war gute Laune!" Gemäß dem Motto nahm sich Kippenberger selbst nicht zu ernst, wie die Art der Selbstdarstellung in der Kunst des selbst ernannten "Exhibitionisten" belegt. So posierte er wie Pablo Picasso, inszenierte sich als türkische Putzfrau oder nannte sich den "Helmut Newton für Arme." Die Ausstellung "Martin Kippenberger: sehr gut | very good" im Hamburger Bahnhof nähert sich dem Künstler, der in diesem Jahr 60 geworden wäre, als öffentliche und private Person anhand von 300 Werken an.

"Martin Kippenberger: sehr gut | very good", 23.02. - 18.08., Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart – Berlin

Hamburg: Giacometti

Gleich zwei Ausstellungen ehren in Hamburg Alberto Giacometti als wegweisenden Bildhauer des 20. Jahrhunderts und Vorreiter der "Environment"-Kunst, in der die Umgebung zu einem Teil des Werkes wird, vertreten. Während sich das Bucerius- Kunst-Forum mit 120 bisher kaum gezeigten Plastiken, Zeichnungen und Gemälden auf die Porträtkunst Alberto Giacomettis als Ausgangspunkt und Zentrum seines Werks konzentriert, macht die Kunsthalle Giacomettis zum Mythos gewordenen Arbeitsraum in seiner räumlichen Gedrängtheit erlebbar. Unter den 200 ausgestellten Werken, die Skulpturen, Ölgemälde, Zeichnungen und Fotografien umfassen, bilden seine bis zu drei Meter hohen Skulpturen und die Modelle dazu einen Höhepunkt der Ausstellung und lassen den Betrachter zur Spielfigur werden.

"Giacometti – Die Spielfelder" in der Kunsthalle, 25.01.-19.05. & "Alberto Giacometti – Begegnungen" im Bucerius Kunst Forum, 26.01.-20.05.

Dresden: Die Erschütterung der Sinne

John Constable, Eugène Delacroix, Caspar David Friedrich und Francisco de Goya prägten die Kunst der Moderne vom 18. zum 19. Jahrhundert und gestalteten die Epoche der Romantik in Europa wesentlich mit. Wie sie auch nachfolgende Künstler wie Paul Cézanne, Adolph Menzel und Édouard Manet bis hin zu Mark Rothko und Gerhard Richter beeinflussten, wird in der Sonderausstellung "Die Erschütterung der Sinne" in der Galerie Neue Meister sichtbar.

"Constable, Delacroix, Friedrich, Goya. Die Erschütterung der Sinne", 16.03.-14.07., Galerie Neue Meister im Albertinum in Dresden

Baden-Baden: Elizabeth Peyton

In ihren Porträts fängt sie flüchtige Momente ein, in jedem Blick steckt Gefühl. Als Vorlage für ihre Ölmalereien, Aquarelle, Drucke und Zeichnungen dienen Elizabeth Peyton dabei Schnappschüsse von Freunden genauso wie Bilder von Prominenten aus Zeitschriften oder von CD-Covern. Dabei geht es der New Yorkerin nicht um die Berühmtheit der Personen, die sie porträtiert – darunter Peter Doherty genauso wie Michelle Obama ¬–, sondern um ihren Lebensweg und ihre Inspiration für andere. Die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden stellt 30 ihrer Porträts aus.

"Elizabeth Peyton", 09.03.-23.06., Staatliche Kunsthalle Baden-Baden

Frankfurt am Main: Rineke Dijkstra

Das Museum für Moderne Kunst Frankfurt räumt Rineke Dijkstra alle Ebenen des Museums als Ausstellungsort ein. Versammelt sind ihre Fotografien, die das Heranwachsen junger Menschen in einer von Konventionen und Codes geprägten Gesellschaft festhalten, sowie erstmals sämtliche Video-Installationen seit 1996 – darunter zwei Weltpremieren. Höhepunkt bildet dabei die raumgreifende 4-Kanal-Videoprojektion "The Krazyhouse", die fünf junge Menschen in einem Liverpooler Club beobachtet. Hinzu kommen 50 Werke von Künstlern aus der Sammlung des MMK, die die niederländische Künstlerin auswählte und in Bezug zu ihrer Arbeit setzte, um Einblicke in ihre persönliche Sicht von Kunst und ihr Schaffen zu ermöglichen.

"Rineke Dijkstra – The Krazy House" im MMK Frankfurt am Main, 23.02.-26.05., Eröffnung am Freitag, 22.2.2013 um 20 Uhr

München: Wiederöffnung Lenbachhaus

Im Mai ist es soweit: Nach vierjähriger Bauphase wird das Lenbachhaus wieder eröffnet und somit seine Sammlung, darunter die Gemälde des "Blauen Reiters", wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ursprünglich war das einstige Privathaus auf 10.000 Besucher im Jahr ausgelegt und war dem steigenden Besucherstrom trotz eines Anbaus nicht gewachsen. Mit der Um- und Neugestaltung soll das Lenbachhaus nun den Bedürfnissen der jährlich 200 000 bis 400 000 Museumsbesucher optisch wie funktionell entsprechen, ohne dabei den Charme des Privaten zu verlieren.

Wiedereröffnung Lenbachhaus München, Mai 2013

Düsseldorf: In den Umlaufbahnen

Organisch und seifenblasenartig muten Tomàs Saracenos riesige Raumskulpturen an. Aus Netzen spannt er Geflechte, die riesigen Spinnennetzen, Kokons oder Pflanzen mit dunklem Geäst gleichen. Ein weiteres wiederkehrendes Thema des argentinischen Künstlers und Architekten sind Raumkapseln, die neue Lebens- und Wohnmodelle aufzeigen sollen. Für die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen spannt er eine riesige schwebende Skulptur aus nahezu transparenten Stahlnetzen unter die Kuppel vom K21 Ständehaus. Die Netzkonstruktion in 20 Metern Höhe ist begehbar.

"Tomás Saraceno – In den Umlaufbahnen", K21, 22.06.13-07.09.14

Berlin: Christoph Schlingensief

Regisseur, Autor, Künstler, Idealist – Christoph Schlingensief war vieles, doch haben seine Werke einen gemeinsamen Nenner. Ob Film, Theater, Oper oder Installationen, Performances und Aktionen, seine Arbeit vermischt Kunst und Politik, zeigt Missstände auf und provoziert, damit reagiert wird, versucht aber auch selbst etwas zu ändern, gar zu verbessern. Seine "Partei der Arbeitslosen und von der Gesellschaft Ausgegrenzten" und das "Operndorf Afrika" in Burkina Faso sind solche Versuche. In der Ausstellung "Christoph Schlingensief" zeigt das KW Institute for Contemporary Art anhand von Archivmaterial und 50 Werken Schlingensiefs künstlerische Stationen mit Hinblick auf ihre gesellschaftliche Brisanz.

"Christoph Schlingensief", KW Institute for Contemporary Art, November oder Dezember 2013

Düsseldorf: Mensch und Maschinen

Die Öl- und Acrylbilder Konrad Klaphecks, die in matten Tönen gehalten an alte Werbeplakate erinnern, strahlen etwas Bedrohliches aus. Während die Menschen in seinen Bildern etwas Groteskes, oft gar Maschinenartiges an sich haben, entstammt die Bedrohung der monumental und überpräzise nachgebildeten Maschinen seiner Objektmalerei ihrer Vermenschlichung. So heißt das Bild einer Nähmaschine etwa "Die Tyrannin" und das einer Standbohrmaschine "Das Opfer". Die Stiftung Museum Kunstpalast beleuchtet in der Ausstellung "Klapheck – Bilder und Zeichnungen" das Werk des seit den sechziger Jahren international gefragten Graphikers und Malers der Düsseldorfer Kunstszene.

"Klapheck – Bilder und Zeichnungen", Stiftung Museum Kunstpalast, 28.04.-04.08.

Frankfurt: Philip Guston

Ursprünglich bekannt wurde Philip Guston als bedeutender Vertreter des Abstrakten Realismus, berühmt wurde er jedoch für sein Spätwerk der postmodernen Malerei, auf die sich die Schirn-Kunsthalle Frankfurt in der Ausstellung "Philip Guston – Das große Spätwerk" konzentriert. Die in Farben und Formen organisch gehaltene Bilderwelt wirkt trotz ihres abstrahierten Symbolismus oft brutal und beklemmend. Wie albtraumartige Gebilde hinterlassen die Bilder eine nachhaltige Wirkung und sollen Geschichten erzählen. In seinen comicartig gestalteten Zeichnungen indessen beschäftigt sich der nordamerikanische Maler, der als Autodidakt gilt, bevorzugt mit Glimmstängeln und den Kapuzenträgern des Ku-Klux-Klans, mit dessen rassistischen Aktivitäten seine jüdische Familie in seiner Jugend konfrontiert war.

"Philip Guston – Das große Spätwerk", Schirn-Kunsthalle Frankfurt , 06. November 2013

Die internationalen Highlights lesen Sie auf Seite zwei unserer Jahresvorschau

London: Schlange stehen für Manet

"Hätte ich doch nur eine Maschine, die so zu reproduzieren vermöchte, dass die Beschaffenheit vom Original sich nicht mehr trennen ließe.

Ich wäre nicht nur ein gemachter Mann, ich wäre auch die Sorge los, wie meine Werke der Allgemeinheit am ehesten zugänglich gemacht werden könnten." – Jene Maschine, von der Edouard Manet sprach, hat er bekanntlich nicht erfunden, doch sind mehr als 50 Werke des Impressionisten in diesem Jahr in der Royal Academy für die Allgemeinheit zugänglich. Dabei untersucht die Ausstellung, die als Kunsthighlight des Jahres gehandelt wird, mit Gemälden wie "Die Eisenbahn" und "Mademoiselle Claus" die Beziehung zwischen Manets Porträtbildern und seinen Szenen des modernen Lebens des 19. Jahrhunderts.

"Manet: Portraying Life" in der Royal Academy of Arts, 26.01.-14.04.

Hongkong: Art Basel

Mit Hongkong erschließt sich die Art Basel den asiatischen Kunstmarkt und hat als wichtigste Kunstmesse der Welt bereits im vergangenen Jahr 50 000 internationale Besucher nach Asien gelockt. In diesem Jahr werden über 2000 Künstler auf der Messe von 250 führenden internationalen Galerien für moderne und zeitgemäße Kunst vertreten. Dabei kommen über die Hälfte der Galerien aus Asien und dem Asien-Pazifik.

Art Basel in Hong Kong, 23.05.-26.05., Eröffnung für geladene V.I.P.-Gäste am 22.05.

London: Vermeer und die Musik

Die National Gallery nähert sich der Kunst Vermeers aus einem neuen Blickwinkel: der Musik. Neben seinen Bildern "Stehende Virginalspielerin", "Sitzende Virginalspielerin" sowie "Die Gitarrenspielerin" werden thematisch ähnliche Gemälde von Malern seiner Zeit ausgestellt und zum Vergleich reale Musikinstrumente des 17. Jahrhunderts präsentiert. Die Besonderheit stellt derweil die klassische Musik in der Ausstellung dar, die das Thema Musik in den Bildern als Metapher für Harmonie oder als Symbol der Vergänglichkeit unterstreicht.

"Vermeer and Music: The Art of Love and Leisure", The National Gallery, London, 26.06.-08.09.

Basel/ Riehen: Max Ernst

"Bitte, meine Herren, Kunst hat mit Geschmack nichts zu tun, Kunst ist nicht da, dass man sie `schmecke´." – 170 Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen und Kunstbücher von Max Ernst geben in der Retrospektive in der Fondation Beyeler einen Überblick über das vielseitige Lebenswerk des Künstlers. Als bedeutender Vertreter des Surrealismus deutete er seine Arbeit als ein freies, kühnes und selbstverständliches Bewegen in einem noch wenig bestimmten Grenzgebiet von Innen- und Außenwelt.

"Max Ernst – Retrospektive", Fondation Beyeler, Basel/ Riehen, 26.05.-08.09.

Middelheim: Antony Gormley

In seinen Skulpturen dient Antony Gormley häufig der menschliche Körper – auch sein eigener – als Vorbild und als anonymisierte Vorlage. Dabei interessiert ihn weniger die Ästhetik seiner Gebilde als die menschliche Gestalt als Individuum, als Mitglied des Kollektivs und als Objekt im Verhältnis zu Raum und Zeit. Die Skulptur "Firmanent III" in zehnfacher Lebensgröße sowie bisher noch nie ausgestellte Werke des englischen Künstlers bilden den Mittelpunkt der Ausstellung im frisch renovierten Middelheim Museum.

"Antony Gormley", Middelheim Museum, bei Antwerpen, 24.02.-05.05.

New York: American Modern und Isa Genzken

Mit der Ausstellung "American Modern" mit Werken aus der Sammlung eröffnet das MoMA einen neuen Blick auf die amerikanische Kunst von 1915 bis 1950. Dabei fasst es die kulturellen Aspekte einer sich rasch verändernden amerikanischen Gesellschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ins Auge. Ende des Jahres präsentiert das MoMA zudem die erste umfassende Retrospektive und zugleich größte Werkausstellung von Isa Genzken in den USA. Die deutsche Künstlerin gilt als eine der wichtigsten und einflussreichsten weiblichen Künstler der letzten 30 Jahre.

"American Modern", Museum of Modern Art, New York, 11.08.13-27.01.14, "Isa Genzken", 17.11.13-10.03.14

Paris: Ron Mueck

Seine Karriere begann Ron Mueck als Puppenbauer für Film und Fernsehen. So fertigte er die "Alice im Wunderland"-Figuren für "Dreamchild" oder Puppen für Jim Hensons "Die Fraggles", ehe er sich 1996 den schönen Künsten und dem Hyperrealismus zuwandte. Mit seinen überlebensgroßen und lebendig wirkenden Menschenplastiken aus Fiberglas und Silikon, die selbst Poren, Falten und kleinste Härchen vorweisen, widmet er sich den Themen Geburt, Leben, Tod.

"Ron Mueck", Fondation Cartier pour l´art contemporain, Paris, 18.04.-15.07.

Rom: Tizian

Mit 646 Werken war Tiziano Vecellio, wie Tizian eigentlich hießt, nicht nur einer der gefragtesten, sondern auch einer der produktivsten Maler der Renaissance. Nicht nur, dass der Künstler als Hofmaler Karl V. geadelt wurde und auf Anraten Papst Paul III. Ehrenbürger Roms wurde, er war neben Raffael auch der erste Künstler, der seine Signatur als Mittel zur Wertsteigerung seiner Bilder verstand. In Dekaden unterteilt, zeigen die Scuderie del Quirinale mit zahlreichen Leihgaben von Museen aus aller Welt eine große Auswahl repräsentativer Werke Tizians.

"Tiziano", Scuderie del Quirinale, Rom, 05.03.-16.06.

Venedig: 55. Kunstbiennale

Unter dem Titel "Der enzyklopädische Palast" wird die diesjährige "Biennale die Venezia" auf 50 000 Quadratmetern von Massimiliano Gioni kuratiert. Jener illusionäre Palast, der 1955 vom italo-amerikanischen Künstler Marino Auriti erdacht wurde, stellt den Traum eines universellen, allumfassenden Wissens- und Kulturzentrums dar. Passend dazu wird der deutsche Pavillon in diesem Jahr vom chinesischen Konzeptkünstler, Bildhauer und Kurator Ai Weiwei vertreten, der 2011 wegen seiner Regierungskritik in China inhaftiert worden war.

"Il Palazzo Enciclopedico", Biennale di Venezia, Venedig, 01.06.-24.11.

Wien, Berlin, Hannover: Meret Oppenheim

In diesem Jahr wäre Meret Oppenheim 100 geworden. Anlässlich ihres Geburtstages präsentieren das Kunstforum Wien und anschließend der Martin-Gropius-Bau in Berlin eine umfassende posthume Retrospektive der eigenwilligen und skandalumwitterten Künstlerin, die sich bereits 1936 in Paris mit "Frühstück im Pelz" – einer mit Pelz überzogenen Tasse –, einen Namen gemacht hatte. Zusätzlich befasst sich das Sprengel-Museum Hannover in "Über den Bäumen" mit den Themen Erotik- und Androgynität in ihrem Werk und somit dem Verhältnis zur Natur und zum Unbewussten.

"Meret Oppenheim", Bank Austria Kunstforum, Wien, 21.03.-14.07. und Martin-Gropius-Bau, Berlin, 16.08.-01.12.; "Meret Oppenheim – Über den Bäumen", 20.02.-05.05.