Max Uhlig - Köln

Ein Gestrüpp dichter Striche

Das Käthe-Kollwitz-Museum zeigt die zerbrechlichen Porträts des Malers und Grafikers Max Uhlig.

Der Dresdner Max Uhlig (Jahrgang 1937) braucht ein Gegenüber, um zeichnen oder malen zu können.

Er geht mit Skizzenblock oder Staffelei in die Natur oder lässt Menschen für sich Porträt sitzen. Das muss man wissen, denn auf Uhligs Bildern sieht es so aus, als würde er weniger auf sein Auge als auf seine Hand vertrauen. Wenn er einen Menschen porträtiert, zeichnet er keine Linien, sondern ein dichtes Gestrüpp aus kreuz und quer gezogenen Strichen. Man kann die Bewegung des Pinsels noch erahnen, aus der die erstaunlich individuelle Kontur eines Gesichts entsteht.

So wie bei Alberto Giacometti – einem großen Vorbild Uhligs – die menschliche Figur stets eine zerbrechliche Form annahm, so wird die Welt bei Uhlig aus dem irrlichternden Chaos schwarzer Linien geboren. Mit diesem einzigartigen Mal- und Zeichenstil wurde er zu einem gefragten Porträtisten – erst in seiner Dresdner Heimat, dann, nach dem Mauerfall, zusehends auch im Westen Deutschlands, wo sein Werk in einigen Museen zu sehen war. Genauso oft geht der 75-Jährige aber unter freien Himmel, um mit ähnlichen Mitteln einzelne Pflanzen oder ganze, meist herbstliche Landschaften zu skizzieren. Bis Mitte der siebziger Jahre war der Käthe-Kollwitz-Preisträger der DDR vor allem als Grafiker tätig, danach entstanden auch großformatige Gemälde. 1996 wurde ein beträchtlicher Teil seines Werks durch einen Brand in Uhligs Atelier zerstört.

Im Kölner Käthe-Kollwitz-Museum sind jetzt rund 80 Exponate aus diesem düsteren, wie mit Dornen bewehrten und doch liebevollen Werk zu sehen. Der Großteil der Ausstellungsstücke stammt aus dem umfangreichen Uhlig-Bestand des Dresdner Kupferstich-Kabinetts, hinzu kommen weniger bekannte Arbeiten aus dem Privatarchiv des Künstlers. So werden in Köln auch Aquarelle und Kohlezeichnungen gezeigt, darunter eine für Uhlig eher untypische Serie von Straßenszenen.

Max Uhlig

Köln, Käthe-Kollwitz-Museum
17. Januar bis 17. März

Der Katalog ist im Sandstein Verlag erschienen und kostet 20 Euro, im Buchhandel 38 Euro

http://www.kollwitz.de/ausstellungen_1_1.aspx