Kunstsammlung des Bundes - Bonn

Wetten auf die Zukunft

Wussten Sie, dass der Bund seit 1971 aktuelle Kunst ankauft? Die Ausstellung "Nur hier" präsentiert eine Auswahl
Aha-Erlebnis:Der Bund kauft seit 1971 aktuelle Kunst

xxxxxxx

Dieses Frühjahr werden einige Wände in deutschen Ministerien, Botschaften und Behörden leere Flecken haben. Denn die Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland zieht rund 100 Werke von ihren angestammten Plätzen ab, um sie ab 18. Januar bis 14. April unter dem Titel "Nur hier" in der Bonner Bundeskunsthalle zu präsentieren. Gezeigt wird eine Auswahl der zwischen 2007 und 2011 erworbenen Objekte, wobei viele Besucher das erste Aha-Erlebnis schon vor dem Museumseingang haben dürften: "So, so, der Bund hat also eine Kunstsammlung!"

Ins Leben gerufen wurde sie 1970 durch Bundeskanzler Willy Brandt, angeregt hatte sie der damalige Vorsitzende des Deutschen Künstlerbundes Georg Meistermann. Im folgenden Jahr berief das Innenministerium (heute der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien) zum ersten Mal eine unabhängige Ankaufskommission aus deutschen Museumsleitern, Künstlern und Kritikern und stellte ihr einen jährlichen Etat von 250 000 Mark zur Verfügung. Zur Zeit gehören dieser für vier Jahre berufenen Kommission unter anderen der Leiter des Bonner Kunstmuseums Stefan Berg und Susanne Gaensheimer, Chefin des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt/Main, an. In seinen Kaufentscheidungen ist das Gremium absolut frei, einzige Bedingung: Die Werke müssen nach 1949 entstanden sein und von deutschen oder in Deutschland lebenden Künstlern stammen. So finden sich etwa unter den 2012 erworbenen Arbeiten neben Fotografien der gebürtigen Stuttgarterin Annette Kelm auch Bilder des Engländers Sebastian Dacey und Objekte des dänischen Konzeptkünstlers Henrik Olesen.

Nach 41 Jahren umfasst die Sammlung rund 1500 Werke und hat einen Versicherungswert von 32 Millionen Euro. Bei einem inzwischen durchschnittlichen Jahresetat von 500 000 Euro, in den auch weitere Kos­ten etwa für Rahmungen und Restaurierungen eingerechnet sind, ist die Bundessammlung mehr als wertstabil. Obwohl der Bund ein eigenes Depot in Bonn besitzt, liegt der Sinn der Sammlung im permanen­ten Leihverkehr. Zur Zeit sind 1200 Arbeiten ausgeliehen, hauptsächlich an Einrichtun­gen des Bundes. Lediglich 119 Werke sind längerfristig in Museen zu sehen, darunter Gerhard Richters "Sekretärin" (1963) und auch Thomas Schüttes "Parkhaus" (2003).

Bei dem schmalen jährlichen Ankaufs­etat, aktuell liegt er bei 400 000 Euro, kann es nicht darum gehen, bereits kanonisierte Künstler zu sammeln, sondern auf frische Ware von jungen Künstlern zu setzen – zumal die Sammlung nicht als geschlossenes Ganzes konzipiert ist, in der man zukauft, um Zusammenhänge und Traditionen sichtbar zu machen. Zwar sagt die Bonner Kunstprofessorin Anne-Marie Bonnet, selbst bis 2011 Mitglied der Ankaufskommission und Mitkuratorin der "Nur hier"-Ausstellung, dass sie und ihre Kollegen durchaus darauf geachtet hätten, Lücken zu schließen. "Aber vor allem haben wir Kunst ausgesucht, bei der man sieht, dass es um etwas geht." Die Ankaufskommissionen gingen Wetten auf die Zukunft ein – Versäumnisse und Verluste seien da nicht ausgeschlossen. So fehlen einige Klassiker wie Anselm Kiefer in der Sammlung gänzlich, andere wie Georg Baselitz sind lediglich mit Papierarbeiten vertreten. Bei den Absolventen der Becher-Schule wie Andreas Gursky, Thomas Struth und Candida Höfer ist der Bund dagegen früh genug eingestiegen, um sich gut eindecken zu können.

Überhaupt staunt man, wie viel Kunst man für relativ wenig Geld erwerben kann. Beinahe alle großen Namen der deutschen Nachkriegszeit sind vertreten, wenn auch selten mit wuchtigen Formaten. Doch allein der Mut, auf junge Kunst zu setzen, macht der Sammlung Ehre.

"Nur hier" – Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland - Ankäufe von 2007 bis 2011

Daten: 18. Januar bis 14. April 2013, Kunst-und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (Verlag: Die neue Sachlichkeit. Ch. Schroer GmbH) Umfang: 208 Seiten, Museumsausgabe: 24 Euro, Buchhandelsausgabe: 36,95 Euro
http://www.bundeskunsthalle.de/index.htm?ausstellungen/index.htm