Alberto Giacometti - Hamburg

Figuren auf dem Spielbrett

Mit "Giacometti – Die Spielfelder" in der Hamburger Kunsthalle und "Alberto Giacometti – Begegnungen" im Bucerius Kunst Forum ist der Schweizer Bildhauer und Maler gleichzeitig in zwei sich ergänzenden Ausstellungen in Hamburg vertreten

Ungreifbar und vereinsamt schreiten sie über ein Feld, dessen Fläche nicht mehr als zwei Quadratmeter misst: die schmalen, überlangen Bronzefiguren Alberto Giacomettis (1901 bis 1966).

In seinem winzigen Atelier mit Ofenecke in Paris-Montparnasse schuf der Schweizer Bildhauer seine "Spielbrettskulpturen", Modelle für ausgedehnte Platzgestaltungen, in die der Künstler auch den Besucher einbeziehen wollte. Die Figuren in einer streng horizontalen Ausrichtung spielen auf Eros, Tod und Erinnerung an. Bekannt als Künstler, der anfangs vom Surrealismus und später vom Existentialismus geprägt war, eiferte Giacometti einer Philosophie nach, die das Leben und den Tod als ein unergründliches, unerforschliches Spiel betrachtete.

Die Positionierung der einzelnen Elemente, die Präsentationsform und die Integration des Betrachters waren daher stets von entscheidender Bedeutung für seine Arbeiten. Seine wiederkehrende Auseinandersetzung mit einer "idealen Platzgestaltung" zwischen Kunst und Leben findet sich vor allem in der überlebensgroßen Skulptur "Der schreitende Mann I" wieder, die er 1960 für den Vorplatz einer Bank in Manhattan entworfen hatte. Diese wohl berühmteste Arbeit des Künstlers wurde jedoch nie auf einem öffentlichen Platz installiert. Über Umwege gelangte sie in die Kunstsammlung einer deutschen Bank und wurde 2010 in London versteigert, für den damals höchsten Preis der je für ein Kunstwerk auf einer Auktion bezahlt wurde: 74 Millionen Euro.

In Hamburg widmen sich gleich zwei Ausstellungen dem großen Bildhauer der Moderne. Die Hamburger Kunsthalle konzentriert sich mit rund 120 Werken auf die frühen surrealistischen Arbeiten Giacomettis und zeigt neben bekannten Skulpturen auch Fotografien von Zeitzeugen wie dem französischen Fotografen Robert Doisneau, die das Atelier Giacomettis in seiner räumlichen Gedrängtheit erlebbar machen.

Die Ausstellung im Bucerius-Kunst-Forum widmet sich der Porträtkunst Giacomettis. Es handelt sich um Bildnisse seiner Familie und Porträts von Künstlern und Philosophen seines Pariser Freundeskreises um Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir. 44 Plastiken, zehn Gemälde und 65 Zeichnungen zeigen Giacomettis Auseinandersetzungen mit Antlitz und Gestalt des Gegenübers.

Giacometti in Hamburg

"Giacometti – Die Spielfelder" in der Hamburger Kunsthalle
bis 19. Mai
Katalog zur Ausstellung 29 Euro

"Alberto Giacometti – Begegnungen" im Bucerius Kunst Forum
bis 20. Mai
Katalog zur Ausstellung, Hirmer Verlag 24,80 Euro
http://www.kunstmeile-hamburg.de/de/institutionen

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