Antoine Watteau - Brüssel

Musik und subtile Sinnlichkeit

Das Palais des Beaux-Arts (BOZAR) in Brüssel zeigt in der Ausstellung "Die Musikstunde" die "galanten" Bilder des Rokoko-Malers Antoine Watteau – untermalt von Musik des 17. und 18. Jahrhunderts.

Gilles, der einsame, melancholische, in sich gekehrte Spaßmacher mit dem scheu gesenktem Blick, den hängenden Schultern und Armen ist unverbrüchlich mit seinem Schöpfer, dem Maler Antoine Watteau (1684 bis 1721) verbunden.

Dass dieses epochale Meisterwerk nur eine Seite des Franzosen wiedergibt, will jetzt das BOZAR in Brüssel mit einem Fest für die Sinne beweisen. Unter dem Titel "La Leçon de musique" (Die Musikstunde) sind Gemälde und Zeichnungen von Watteau versammelt, die nur eines zum Inhalt haben: zu zeigen, wie Lebensart und subtile Sinnlichkeit durch Musik verkörpert werden.

"Fites galantes" nennen die Franzosen diese Bilder, wobei das Wort "galant" im 18. Jahrhundert etwas anderes bedeutete als im Sprachgebrauch des 20. Jahrhunderts. "Es fehlte diesem Wort der Beigeschmack des bloß oberflächlich Amourösen", schreibt Watteau-Biograf Helmut Börsch-Supan. Ungehemmte Sinnlichkeit kommt bei Watteau nur in Hirtenszenen vor, seine vornehmen Gesellschaften genießen die Geselligkeit bei kultivierter Musik, aber mit Eleganz und Contenance. Mit eher freundlichem Interesse als mit offener Neugier blicken etwa die beiden Frauen im Bild "Partie zu Vieren" auf den in ein weißes Harlekinkostüm gekleideten Gitarristen – der abendlich verdunkelte Park konzentriert den Blick des Betrachters auf die Personengruppe, deren Beziehung nicht eindeutig definiert wird und die deshalb irgendwie rätselhaft bleibt. In der Ausstellung sind 15 Gemälde, etwa 30 Zeichnungen und 50 Drucke zu sehen. Zeitgenossen wie François Boucher, der zu den besten Kupferstechern des 18. Jahrhunderts gehörte, verbreiteten durch Druckgrafiken, gefertigt nach Gemälden von Watteau, dessen Kunst über ganz Europa. Gerade diese Drucke ermöglichen es, Bilder von Watteau kennenzulernen, die im Laufe der Zeit verschollen sind. Kurator der Ausstellung ist William Christie, amerikanischer Dirigent und Cembalist, seit 1995 französischer Staatsbürger und seit 2010 Mitglied der Académie des Beaux-Arts. Er führt Watteaus Malerei mit Musik zusammen: An sechs "Points d´écoute" sowie in einem Extrasaal werden jeden Donnerstag Studenten verschiedener Musikhochschulen kostenlose Konzerte mit Musik aus Watteaus Zeit geben.

Antoine Watteau – Die Musikstunde

8. Februar bis 12. Mai,
Palais des Beaux-Arts (BOZAR) in Brüssel,
Der Katalog kostet in der Ausstellung 39,95 Euro,
europaweit 45 Euro
http://www.bozar.be/home.php?lng=en&bozar=home&