Makoto Aida - Tokio

Protestbrief ans Museum

Die Ausstellung "Monument for Nothing" des japanischen Künstlers Makoto Aida im Mori Art Museum in Tokio sorgt für Empörung.

Makoto Aida, obwohl international nicht so bekannt wie der Pop-Art-Künstler Takashi Murakami, gilt als einer der wichtigsten japanischen Kunstschaffenden der Gegenwart.

Seine kontroversen Werke lassen sich, trotz einer allgemeinen Tendenz zum Grotesken und Erotischen, schwerlich in ein bestimmtes Genre einordnen. Pornografische und schockierende Darstellungen sind nur ein Teil seines Oeuvres, seine gesellschaftskritische Botschaft bringt Aida auch auf andere Weise, wie beispielsweise in dem Werk "Louis Vuitton" (2007), auf die Leinwand. Das Gemälde zeigt einen im Manga-Stil karikierten japanischen Bauern bei der Ernte der französischen Luxustaschen auf einem Ackerfeld, wobei er ausruft: "Auch dieses Jahr wieder eine gute Ernte mit Vuitton!!" – eine ironische Analyse der modernen japanischen Gesellschaft zwischen Luxuswahn und drohendem Staatsbankrott.

Die erste große Retrospektive des 47-jährigen Künstlers beinhaltet etwa 100 Gemälde und Installationen unterschiedlicher Art. Stein des Anstoßes für den Protest sind vor allem Bilder im Manga-Stil, die unter anderem Frauen mit offenen Gedärmen wie in dem Werk "Harakiri School Girls" (2002), oder ein verstümmeltes nacktes Mädchen an einer Hundeleine angekettet mit heraushängender Zunge wie in "DOG(Flower)" (2003) zeigen. Die besonders expliziten Teile der Ausstellung wurden vorsorglich mit einem schwarzen Vorhang vom Rest der Werkschau abgetrennt und sind nur für erwachsene Personen zugänglich. Aber auch Aidas pornografischem Werk liegt ein besonderes Verständnis für den Zeitgeist des modernen Japans zugrunde. In "The Giant Member Fuji versus King Gidora" (1989) greift der Künstler das Motiv des Geschlechtsakts zwischen Frau und Oktopus nach Katsushika Hokusais "Kinoe no Komatsu" (1814) auf und verbindet es in einem Mix aus Anleihen aus Godzilla-Filmen und der Ästhetik japanischer Animes zu einer Darstellung eines ehemaligen stolzen Japans, das durch fremde Eindringlinge, symbolisiert durch "King Gidora", wehrlos gemacht wurde.

Die Initiative "Gruppe gegen Pornografie und sexuelle Gewalt" sendete einen Protestbrief an Museumsdirektor Fumio Nanjo und beklagte sich darin über Misogynie, Kinderpornografie und Diskriminierung von behinderten Menschen in Aidas Kunstwerken, wie japanische Medien berichteten. In einem gemeinsamen offiziellen Statement des Mori-Museums und des Künstlers verteidigte Nanjo die gezeigten Arbeiten mit dem Hinweis auf das Recht auf Meinungsfreiheit und die Diversität der modernen Kunst: "Zeitgenössische Kunst behandelt gesellschaftliche Themen oft auf experimentelle, kritische und provokante Weise und wirft eine Vielzahl an Perspektiven auf, über die noch zu urteilen sein wird". Man glaube daher, dass es wichtig sei, Aidas Werk "unvoreingenommen im größtmöglichen Umfang" zu präsentieren. Aida selbst erklärte, dass er nie darauf abziele, "einfach nur irgendwelche sexuellen Vorlieben zu befriedigen" oder "böswillige Absichten" hege. Allerdings könne auch nicht verlangt werden, dass seine Werke für alle angenehm sein müssten – solange im rechtlichten Rahmen, solle Kunst ohne Beschränkungen auskommen.

Makoto Aida – Monument for Nothing

bis zum 31. März im Mori Art Museum Tokio. Der bilinguale Katalog (Japanisch-Englisch) zur Ausstellung kostet 3570 Yen.

http://www.mori.art.museum/eng/index.html