Yoko Ono - Frankfurt

Nicht dingfest, aber radikal

Die Schirn-Kunsthalle widmet Yoko Ono eine große Retrospektive.

Die Kunst der Yoko Ono lässt sich nur schwer dingfest machen. Wenn überhaupt.

Häufig handelt es sich bei ihren Werken um minimalistische Anweisungen für Handlungen, die absurd erscheinen und nicht selten undurchführbar sind: Luft sammeln, Licht sammeln oder so lange in die Sonne gucken, bis sie eckig wird. Man kann versuchen, das Utopische umzusetzen. Oder man beschränkt sich darauf, der Poesie nachzuspüren, die in diesen seltsamen Instruktionen steckt. Entscheidend ist, dass man als Betrachter das Kunstwerk vollendet.

Die Erkenntnis, dass Yoko Ono eine der einflussreichsten Künstlerinnen unserer Zeit ist, hat sich erst vor einigen Jahren durchgesetzt. Zu lange galt sie in der Öffentlichkeit als die Frau, die die Beatles auseinander gebracht haben soll. Dabei hat die Japanerin, die 1933 in Tokio geboren wurde und teilweise in den USA aufwuchs, mit ihrem kompromisslosen Werk seit den sechziger Jahren Kunstströmungen wie Fluxus, Konzept- und Performancekunst maßgeblich mitgeprägt. Ihre Radikalität zeigte sich bereits 1964, als sie sich für die Performance "Cut Piece" in ihrem besten Kleid bewegungslos auf die Bühne setzte und die Zuschauer aufforderte, sich Stücke aus ihrer Kleidung herauszuschneiden.

Zu ihrem achtzigsten Geburtstag richtet die Schirn Yoko Ono jetzt eine Retrospektive aus, bei der rund 100 Objekte, Filme, Installationen, Fotos, Zeichnungen und Textarbeiten zu sehen sein werden. Neben neuen Stücken wie "Moving Mountains", bei dem Menschen in unterschiedlich großen Kleidersäcken bewegliche Skulpturen formen, werden vor allem Werke aus den sechziger und siebziger Jahren präsentiert. Etwa "Sky TV", ein Bildschirm, der Liveprojektionen des Himmels zeigt, oder "Air Dispenser", eine Art Kaugummiautomat voller Luftkapseln. Auch die Performance "Sky Piece to Jesus Christ", bei der die Mitglieder eines Orchesters während des Spielens von der Künstlerin mit Mullbinden umwickelt werden, wird in Frankfurt erneut aufgeführt. In einem separaten Raum wird überdies Onos musikalisches Werk zu hören und zu sehen sein.

Yoko Ono. Half-A-Wind Show. Eine Retrospektive

Frankfurt/Main, Schirn-Kunsthalle
15.2.–12.5.

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Der Katalog (Prestel Verlag) kostet 29,80 Euro, im Buchhandel 39,95 Euro
http://www.schirn.de/sehen-erleben/kindergartenschule-universitaet/lehrerfortbildungen/yoko-ono.html