Skulpturen des Klassizismus

Schönheit und Revolution

Die Antike mit ihren mythologischen Sagen über Schönheit, Liebe, Schicksal, Krieg und Tod fesselt die Menschen bis heute. Die Ausstellung "Schönheit und Revolution" im Städel Museum in Frankfurt greift die Antike als großes Thema des Klassizismus neu auf und zeigt die berühmten "Hebe"-Statuen der Bildhauerkonkurrenten Thorvaldsen und Canova erstmals gemeinsam.
Auf den Spuren der Antike:Ausstellung über Mythologie im Klassizismus

Links: Die "Hebe" von Bertel Thorvaldsen, 1815, rechts daneben die von Antonio Canova, 1800-05

Hebe huscht leichtfüßig über eine Wolke. Ihr zartes Gewand bauscht sich graziös im Wind. Antonio Canova (1757 bis 1822) zeigt die Göttin der Jugend und Mundschenkin der Götter als idealschöne Marmorstatue mit entblößtem Oberkörper, sanftem Lächeln und goldenem Kelch.

Deutlich anders interpretierte Canovas Rivale Bertel Thorvaldsen (1770 bis 1844) die Göttin Hebe, deren Darstellung im Klassizismus beliebt war. Statt in der Bewegung eingefroren zu sein, verharrt seine Hebe geradezu andächtig im Kontrapost, einer antiken Körperhaltung mit Stand- und Spielbein. Ihr Blick konzentriert sich auf die erhobene Trinkschale. Statt Leichtigkeit und sinnlicher Grazie strahlt diese Statue Kontemplation und stillen Ernst aus.

Seit ihrer Entstehungszeit wurden die beiden Meisterwerke immer wieder miteinander verglichen. Vor allem die goldenen Accessoires und die (vormals) leicht gefärbte Haut von Canovas Version sorgten bei Betrachtern für Befremden, während andere die fehlende abschließende Oberflächenbehandlung bei Thorvaldsen irritierte, die den Marmor kristallin lässt. Jetzt sind sie erstmals nebeneinander ausgestellt. Im Städel leiten die Damen eine umfassende Schau zu den verschiedenen, bisweilen widersprüchlichen Facetten des Klassizismus und seinen Impulsen für die Romantik ein.

Gezeigt werden etwa 100 Skulpturen, Gemälde und Grafiken von Künstlern wie Jean-Auguste-Dominique Ingres, Jacques-Louis David oder Johann Heinrich Füssli, die den Einfluss der Antike auf die Kunst jener Zeit verdeutlichen – in ästhetischer Hinsicht und auch im Hinblick auf die Vermittlung moralischer Werte. Zahlreiche Arbeiten zeigen Darstellungen antiker historischer und mythologischer Szenen, darunter Anton Raphael Mengs' Fresko "Jupiter und Ganymed" (1758/59), das so stark an antike Vorbilder angelehnt ist, dass es vom Archäologen Johann Joachim Winckelmann für ein Original gehalten wurde.

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Anton Raphael Mengs: "Der Parnass" (Studie zum Fresko in der Villa Albani), um 1761

Schönheit und Revolution – Klassizismus 1770-1820

Ausstellung läuft vom 20. Februar bis 26. Mai 2013 im Städel Museum, Frankfurt am Main
 

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Die zentralen Merkmale und künstlerischen Umbrüche der Epoche im Überblick. Unser Schnellkurs zu Malerei und Architektur des Klassiszismus mit den wichtigsten Kunstwerken und Künstlern