Restitution - Niederlande

Nur der "Mann mit Barett" kehrt zurück

189 Gemälde wollten die Katz-Erben haben, doch lediglich ein Werk geht an sie zurück.
Der letzte große Fall:Katz-Erben erhalten lediglich ein Werk

Einzig das Werk "Mann mit Barett" von Rembrandt-Schüler Ferdinand Bol aus dem Museum Gouda muss zurückgegeben werden

Der "Mann mit Barett" von Rembrandt-Schüler Ferdinand Bol aus dem Museum Gouda wird an die Erben der jüdischen Brüder Nathan und Benjamin Katz zurückkehren, die während des zweiten Weltkriegs in Dieren bei Arnheim einen Kunsthandel geführt hatten. So lautet die Entscheidung der Restitutionskommission in Den Haag, die sich mit der Rückgabe von Kunstgegenständen befasst, die während der deutschen Besatzungszeit geraubt oder unter Zwang an die Nazis verkauft wurden.

Wer Ansprüche erhebt, muss zwei Dinge nachweisen: dass das betreffende Objekt einst Eigentum der Familie war und der Verkauf unfreiwillig erfolgte. Im Falle der insgesamt 21 Katz-Erben, die 2007 Ansprüche auf 189 Gemälde in niederländischem Besitz erhoben hatten, sind diese Voraussetzungen laut Restitutionskommission lediglich beim Bol-Gemälde erfüllt: Es wurde an den deutschen Museumsdirektor Hans Posse verkauft, der für das "Führermuseum" in Linz Kunst suchte – und zwar im November 1941, nach der Verschärfung anti-jüdischer Maßnahmen: Für ein Ausreisevisum, so Kommissionsvorsitzender Willibrord Davids, "war Nathan Katz vollständig von Posse abhängig".
Bei den restlichen 188 Werken hingegen könne von Zwang keine Rede sein. 100 von ihnen wurden bereits kurz nach Kriegsbeginn verkauft, zu einem marktkonformen Preis. Darüberhinaus fand die Kommission keinerlei Dokumente zur Klärung der Eigentumsfrage. Die enttäuschten Erben denken nun über weitere juristische Schritte nach. Benjamin und Nathan Katz hätten die Gemälde "verkaufen müssen, um ihre eigenen Familien und viele andere zu retten", so lautet ihr Standpunkt.

Mit Katz hat die Restitutionskommission nach den spektakulären Fällen Goudstikker und Gutmann ihren letzte großen Vorgang abgeschlossen. 2010 hatte der niederländische Staat fünf Kunstwerke an die Erben des jüdischen Sammlers und Bankiers Fritz Gutmann zurückgegeben, 2006 mehr als 200 Werke an die Erben des Amsterdamer Kunsthändlers Jacques Goudstikker. Insgesamt hat die Kommission bislang 117 Fälle behandelt: 60 Ansprüche wurden anerkannt, 40 abgewiesen, 17 teilweise anerkannt.