Tizian - Rom

Leben und Mythos

Seine Zeitgenossen bezeichneten ihn als "Die Sonne unter den Sternen" – und noch heute gilt Tizian, der über 600 Bilder fertigte, als ein Hauptmeister der italienischen Hochrenaissance. Die Scuderie del Quirinale in Rom widmet dem Maler, der in seinen Porträts die Lebendigkeit über den Idealismus stellte, eine Ausstellung.
Ungeniert erotische Mythologien:Schau des venezianischen Malers Tizian

Eine Glanzleistung Tizians: das Gemälde "Flora" von 1515/20 aus den Uffizien

Bei Finanzkrisen wird heute schnell an der Kultur gespart. Das lief im Venedig des 16. Jahrhunderts ganz anders. Mit der merkantilen Vormachtstellung war es zwar vorbei, aber die Stadtrepublik beschäftigte trotzdem weiter eine große Zahl von Architekten, Musikern und Malern und trieb die künstlerische Opulenz auf den Höhepunkt. Unter den Künstlern herrschte ein gnadenloser Wettbewerb, und auch bedeutende Maler mussten aufs Festland ausweichen. Der um 1485 geborene Tizian war der erfolgreichste und produktivste Maler seiner Zeit.

Im römischen Ausstellungspalast der Scuderie wurden in den vergangenen Jahren bedeutende Protagonisten der venezianischen Malerei des 16. Jahrhunderts vorgestellt, wie Giovanni Bellini, Lorenzo Lotto und Tintoretto. Das Publikum ist dadurch atmosphärisch auf Tizian, den Hauptmeister der italienischen Hochrenaissance, eingestimmt.

Mit einer Fülle von Meisterwerken wird jetzt sein langes Malerleben dokumentiert, beginnend mit frühen Arbeiten aus der Studienzeit in der Werkstatt des Giovanni Bellini bis zum expressiv entfesselten Spätstil, den seine Zeitgenossen nicht mehr verstanden und der erst im vergangenen Jahrhundert wirklich geschätzt wurde. Die um 1570/75 gemalte Szene der grausamen Häutung des Satyrs Marsyas, ein im Ausland selten gezeigtes Bild, konnte aus dem tschechischen Kroměříž entliehen werden. Das Selbstbildnis aus dem Prado, um 1565 entstanden, zeigt den vermutlich knapp 80-jährigen Maler im Profil, der einen Pinsel in der Hand hält und dessen schwere Goldkette auf seinen gesellschaftlichen Rang verweist.

Aus den Uffizien kommt die "Flora", eines der Frauenbildnisse, das zu den Glanzleistungen Tizians gehört; von seiner Meisterschaft in ungeniert erotischen Mythologien zeugt die "Danae" aus dem neapolitanischen Museum Capodimonte. Tizian war von Kaiser Karl V. zum Hofmaler ernannt worden. 1533 malte er ein ganzfiguriges Porträt des düster verschlossenen Herrschers mit seinem Hund, das vom Prado entliehen wurde. Die Ausstellung zeigt deutlich, dass die Geschichte Tizians mit der Geschichte der europäischen Malerei zusammenfällt. Von Rubens über Velázquez zu Delacroix hat sich eine lange Reihe von Künstlern an dem großen Venezianer berauscht.

Tizian

5. März bis 16. Juni,
Scuderie del Quirinale,
Rom,
Der Katalog erscheint bei Silvana Editoriale und kostet 34 Euro
https://english.scuderiequirinale.it/categorie/exhibition-tiziano-rome

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