Honoré Daumier - Berlin

Engagement für die soziale Unterschicht

Er prangerte unfähige Politker an, schonte weder das Militär noch die saturierte Bourgeoisie – mit seinen Karikaturen erlangte Daumer Weltruhm. Eine Ausstellung im Liebermann-Haus zeigt ihn jetzt als Maler

Für den Maler Max Liebermann (1847 bis 1935) war Honoré Daumier "der größte Künstler des 19. Jahrhunderts". In seinem Palais am Brandenburger Tor bewahrte Liebermann eine stattliche Sammlung mit Werken des Franzosen (1808 bis 1879) auf. Das Palais, nach dem Fall der Mauer im Sinne einer "kritischen Rekonstruktion" durch Paul Kleihues in Anlehnung an das historische Vorbild wieder aufgebaut, ist heute Sitz der "Stiftung Brandenburger Tor".

Der gehören jetzt die 3000 Lithografien, 22 Handzeichnungen und ein Ölbild von Daumier – sie bilden den Grundstock zu einer Ausstellung, die Liebermanns schwärmerische Bewunderung für Daumier im Titel trägt. "Daumier ist ungeheuer!", hatte der deutsche Impressionist über den französischen Kollegen gesagt. "Wo man ihn packen will, entschwindet er. Er ist als Maler und Zeichner und Lithograph über alle Maßen groß." Zur Ausstellung kamen Werke aus Berliner Privatsammlungen sowie aus europäischen und amerikanischen Privatkollektionen und Museen ins Liebermann-Haus.

Daumier verlieh Menschen aus dem Volk Größe

Weltruhm bekam Daumier vor allem durch seine satirischen, oft bitterbösen Karikaturen, mit denn er unfähige Politiker abstrafte, das Militär nicht schonte, sich über die Sitten und Gebräuche der saturierten Bourgeoisie lustig machte – aber auch Missstände der sozialen Unterschicht anprangerte.
Ausstellungskurator Claude Keisch: "Sein ganzes Leben lang hat er für illustrierte Blätter gearbeitet, besonders anhaltend für 'Le Charivari’, der täglich erschien und täglich eine Lithographie anbot." Daumier war ein "Zeichner für den Tag, aber viele seiner Blätter, gerade die politischen, sind so kraftvoll geprägt, dass sie wie Ikonen im Gedächtnis bleiben".

Highlghts "Ecce Homo" und "DonQuichotte"

Die Ausstellung im Liebermann-Haus will nun aber auch eine Seite Daumiers ans Licht holen, die weniger bekannt ist. In seiner Malerei stattet Daumier "Menschen aus dem Volk, Arbeiter, Wäschefrauen, mit einem seltenen Ernst aus", sagt Keisch, er "verleiht ihnen eine Größe, die auf ganz andere Weise auch Courbet seinen Menschen gibt". Als Highlights der Ausstellung nennt der Kurator etwa den "Ecce Homo" aus dem Essener Museum Folkwang, den "Mann am Seil" aus dem Museum of Fine Arts in Boston oder den "Don Quichotte" aus den Staatlichen Museen Berlin.

Honoré Daumier im Liebermann-Haus

Termin: 2. März bis 2. Juni. Katalog: Nicolai Verlag, 39,90 Euro, in der Ausstellung 25 Euro
http://www.brandenburgertor.de/index.php

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