Meret Oppenheim - Wien/Hannover

Skurrile Ideen, bizarrer Witz

Meret Oppenheim war eine der führenden Persönlichkeiten des Surrealismus. Das Bank-Austria-Kunstforum in Wien zeigt eine große Retrospektive, das Hannoveraner Sprengel-Museum legt den Schwerpunkt auf das zeichnerische Werk.

Sie kleidete eine Teetasse in Fell, pappte einem Bierglas einen Schwanz an und verschmolz ein Paar Stiefel zu siamesischen Zwillingen. Mit solch skurrilen Ideen und bizarrem Witz wurde die vor 100 Jahren geborene Deutsch-Schweizerin Meret Oppenheim zu einer der führenden Persönlichkeiten des Surrealismus und ist eine der eigenwilligsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts.

Ihr Werk umfasst Malerei, Skulptur, Dichtung und Design. Nun gibt es zum Geburtstag der 1985 gestorbenen Künstlerin zwei Ausstellungen. Im Bank-Austria-Kunstforum in Wien wird eine Retrospektive gezeigt, die einen geschlossenen Überblick über das vielseitige Gesamtwerk gibt; sie geht im August in den Berliner Martin-Gropius-Bau (16. August bis 1. Dezember). Das Hannoveraner Sprengel-Museum stellt als erste Museumsschau in Deutschland das zeichnerische Werk der Künstlerin in den Mittelpunkt und führt damit auch ins Zentrum ihrer Ideenwelt, die im Surrealismus wurzelt. "Über den Bäumen", so der Titel, vereint 60 Blätter aus dem Zeitraum von 1963 bis 1984.

Hörstation mit O-Ton Oppenheim

In chronologischer Reihenfolge werden alle Themen repräsentiert, die Oppenheim beschäftigt haben, wie Erotik und Androgynität, das Verhältnis zur Natur und zum Unbewussten, dazu Modedesign, Literatur-Illustration, Naturstudium und druckgrafische Experimente. Einzelne Papierarbeiten anderer Künstler aus ihrem Umfeld wie Man Ray, Hans Arp, Max Ernst oder C. F. Reuterswärd veranschaulichen den kunsthistorischen Kontext. In einer "Hörstation" können die Ausstellungsbesucher von Meret Oppenheim verfassten und selbst gesprochenen Gedichten lauschen.

Wien/Hannover: Meret Oppenheim

Wien: 31. März bis 14. Juli, der Katalog ist im Hatje Cantz Verlag erschienen und kostet 39,90 Euro. Hannover: bIs 5. Mai, es erscheint ein begleitendes Katalogheft