Franz Walther - Hamburg

Revolution in Stoff

Die Hamburger Kunsthalle zeigt die bahnbrechenden Stoffwerke des vierfachen documenta-Teilnehmers Franz Erhard Walther – nur Anfassen ist leider nicht mehr erlaubt.

Seine Werkstücke waren neu und irritierend: Riesige Stoffbahnen, Textilröhren, Nesseltücher, Baumwollsäcke und Kissen präsentierte dieser Franz Erhard Walther und erntete damit Anfang der Sechziger Spott und Unverständnis.

"Skandalös" und "nicht erstzunehmend" tönte die Kritik. Schon die Tatsache, dass der junge Künstler nicht Stein, Metall oder Holz, sondern vornehmlich Stoff für seine skulpturalen Objekte benutzte, wirkte provozierend. Doch Walther wollte mehr. Er brachte nicht nur seine Ideen, sondern seinen Körper selbst in den Kunstprozess ein und forderte dies auch vom Publikum. Die Menschen sollten seine Stücke nicht nur betrachten, sie sollten sie mit all ihren Sinnen erfahren; sollten die Samtkissen berühren, in die Tunnel hineinkriechen, die Arrangements neu zusammenstellen. Der Umgang mit den Objekten war für Walther Teil der Entstehung eines Werks: Mit diesem radikalen Ansatz hat der vierfache documenta-Teilnehmer das Verständnis von Kunst sowie das Verhältnis von Kunst und Betrachter entscheidend beeinflusst.

In Hamburg, wo der 1939 in Fulda geborene Walther über 30 Jahre an der Hochschule für Bildende Künste unterrichtet und gelebt hat, zeigt die Kunsthalle jetzt eine Ausstellung mit seinen Arbeiten aus den sechziger und siebziger Jahren. "Schon Museumschef Werner Hofmann und auch sein Nachfolger Uwe M. Schneede haben Objekte Walthers für unser Haus angekauft", sagt Kuratorin Luisa Pauline Fink. "Wir fanden es an der Zeit, dieses beeindruckende Werkkonvolut einmal geschlossen vorzuführen." 15 große, zum Teil leuchtend farbige Wand- und Bodenarbeiten, rund 100 kleinere Stücke und Zeichnungen, aber auch Filme und Fotos von den Aktionen geben einen Einblick in das komplexe Œuvre. "Wir wollen beide Aspekte seiner Kunst vermitteln – das Objekthafte und das Prozessuale", so Fink. Selbst Hand anlegen sollen die Besucher der Hamburger Schau nicht. "Das hat vor 50 Jahren gewirkt, würde heute aber so nicht mehr funktionieren", meint die Kuratorin. Doch will Walther selbst eingreifen und die Ausstellung mehrmals verändern.

Franz Erhard Walther

Hamburg, Kunsthalle
bis 23.6.

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