Europa Jagellonica - Potsdam

Grundsteine Europas

In Potsdam erhalten erstmals Kunst und Kultur aus der Zeit der Jagiellonen-Herrschaft eine angemessene Würdigung.

Bei der Erwähnung des Namens "Jagiellonen" würde wohl der Großteil der Deutschen in den alten Bundesländern mit völligem Unverständnis reagieren.

Im Osten Deutschlands ist die Geschichte der litauisch-polnischen Dynastie der Jagiellonen weitaus bekannter. Die Jagiellonen waren um 1500 das mächtigste Königshaus in Mitteleuropa. Ihr Herrscherbereich umfasste zur Zeit der größten Ausdehnung (zwischen 1454 und 1572) neben den Kernländern Litauen und Polen Teile des heutigen Weißrussland und der Ukraine, Böhmen und Ungarn mit den dazugehörigen Gebieten.

Jetzt sollen erstmals Kunst und Kultur aus der Zeit der Jagiellonen-Herrschaft eine angemessene Würdigung erhalten: Die Ausstellung "Europa Jagellonica" vereint etwa 100 Kunstschätze vom späten Mittelalter und der frühen Renaissance, exquisite Werke der europäischen Kunstgeschichte aus Museen unter anderem in Wien, Prag, Krakau, Budapest, Warschau, Bratislava und Oxford. Organisiert wurde die Schau vom Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam, der Mittelböhmischen Galerie in Kutná Hora (Tschechien) dem Nationalmuseum und dem Königlichen Schloss in Warschau und dem Geisteswissenschaftlichen Zentrum an der Universität Leipzig.

Die Jagiellonen hatten ihr Reich weniger durch brutale Eroberungskriege ausgedehnt, sondern seit 1386 durch die schonendere Methode des Heiratens. Eine Taktik, der etwa 300 Jahre später auch die österreichische Kaiserin Maria Theresia folgte, die statt Krieg zu führen lieber kluge Ehebande schloss ("tu felix Austria nube!" – Du glückliches Österreich, heirate!). Die Jagiellonen waren Grundsteinleger für ein modernes Europa, die, so Susanne Jaeger, leitende Koordinatorin und Ko-Kuratorin der Ausstellung, "durch eine geschickte Heiratspolitik über mehrere Generationen Verbindungen mit anderen wichtigen Familien Mitteleuropas aufbauten". Zu den Kunstschätzen, die in Potsdam gezeigt werden, gehören überragende Skulpturen von Veit Stoß, Gemälde und Grafiken unter anderen von Albrecht Dürer, Martin Schongauer oder Lucas Cranach d. Ä., kostbare Glasmalereien, zum Beispiel aus der Pfarrkirche in Langenburg, sowie Meisterwer­ke der Goldschmiedekunst.

Europa Jagellonica

Potsdam, Haus der Brandenbur-gisch-Preußischen Geschichte
bis 16.6.

Der Katalog zur Ausstellung kostet 14 Euro
http://www.hbpg.de/Europa-Jagellonica.html

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