Christian Rohlfs - Wedel bei Hamburg

Seelenleben in starken Farben

Das Ernst-Barlach-Museum in Wedel bei Hamburg zeigt 50 Wassertemperablätter, Aquarelle, farbige Zeichnungen und Ölgemälde des deutschen Malers

Es ist in der Kunstgeschichte kein Einzelfall, dass eine körperliche Verletzung den Anstoß zur Malerei gibt: Die Mexikanerin Frida Kahlo (1907 bis 1054) begann 1926, nach einem schweren Unfall, im Krankenbett mit der Malerei. Und Christian Rohlfs (1949 bis 1938) war 1864 von einem Baum gestürzt und bekam im Krankenhaus vom behandelnden Arzt Zeichenmaterial. Der Arzt, Ernst Stolle, erkannte und förderte das Talent des Jungen, der 1870 an die Kunstschule Weimar ging.

Der begabte Knabe wurde zu einem der bedeutendsten Vertreter des deutschen Expressionismus, der mit kontrastreichen Farben das Seelenleben darzustellen verstand, ohne jedoch die Wiedergabe der Natur aus den Augen zu verlieren. Das Ernst-Barlach-Museum in Wedel bei Hamburg hat nun, nach den leuchtenden Abstraktionen des Dänen Per Kirkeby, 80 Arbeiten von Christian Rohlfs ins zum Museum umgebaute Geburtshaus von Ernst Barlach (1840 bis 1938) an die Elbe geholt. Der Titel der Ausstellung deutet Rohlfs Stärke bereits an: "Magie der Farben".

Mit Dusche und Bürste zur Transparenz

Ausgehend von der Lichtmalerei der Impressionisten gelang es Rohlfs, dem Genre Naturdarstellungen immer neue Facetten abzugewinnen. Wobei er, um die leuchtende Transparenz zu erhöhen, vor allem bei seinen Aquarellen bisweilen zu ungewöhnlichen Methoden griff: So schrubbte er etwa, den Duschkopf in der einen, eine Badebürste in der anderen Hand, seine Wasserfarbenblätter ab, um die für ihn so typische schwebende, fast immaterielle Wirkung zu erzielen.

Barlach-Skulptur auf dem Grab

Das Ernst-Barlach-Museum ist der rechte Ort für eine Rohlfs-Ausstellung: Denn Rohlfs und Barlach teilten ein ähnliches Schicksal: Zwar hatte Barlach am 19. April 1934 den "Aufruf der Kulturschaffenden" unterschrieben, in dem er sich zur Gefolgschaft zu Hitler bekannte. Trotz allem fiel er, genau wie Rohlfs, später in Ungnade. Rohlfs und Barlachs Werke wurden 1937 in der Schandausstellung "Entarte Kunst" gezeigt, Rohlfs erhielt Malverbot und wurde am 7. Janur 1938, einen Tag vor seinem Tod, von der Preußischen Akademie der Künste in Berlin ausgeschlossen. Seit Grab in Hagen schmückt seit 1949 ein Abguss der Barlach-Skulptur "Der lehrende Christus".

Christian Rohlfs im Ernst-Barlach-Museum

Termin: 14. April bis 14. Juli. Katalog: "Christian Rohlfs. Musik der Farben", herausggeben vom Osthaus-Museum Hagen, 29,90 Euro
http://www.ernst-barlach.de/html_content/wedel.html

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