Sammlung Lauder - Schenkung

Wovon ein Museumsdirektor nur träumen kann

Das Metropolitan Museum hat jetzt im Bereich Kubismus mehr zu bieten als das MoMA: Kosmetikunternehmer Leonard Lauder verschenkt 78 Werke.
Traumhaft:Meisterstücke des Kubismus für das Metropolitan Museum

Mäzen Leonard Lauder und seine inzwischen verstorbene Gattin Evelyn Lauder beim Start der Tom-Ford-Collection für Estée Lauder im Jahr 2005

Darüber, wer ihm alles den Hof gemacht hat, um seine Sammlung zu ergattern, schweigt sich Leonard Lauder aus.

Die National Gallery of Art in Washington soll zu den Bewerbern gezählt haben. Mit dem New Yorker Metropolitan Museum verhandelte der Kosmetik-Milliardär über Jahre. "Es handelte sich nicht um ein Bietgefecht", erzählte der 80-jährige Lauder der "New York Times". "Ich klopfte an, und die Tür öffnete sich problemlos." Das Geschenk, 78 Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen aus der Zeit des Kubismus, die Lauder über 40 Jahre zusammengetragen hat, sollte über die übliche Spende hinausgehen und die Sammlung eines Museums nachhaltig verändern.

Das ist Lauder gelungen. Es handele sich um eine Sammlung, von der "ein Museumsdirektor nur träumen kann", so schwärmte Thomas P. Campbell vom Metropolitan Museum, das den begehrten Zuschlag bekam. Damit erhält sein Haus nun Meisterstücke im Wert von mindestens einer Milliarde Dollar, darunter 33 Picassos, 17 Werke von Georges Braques und Arbeiten Fernand Léger und Juan Gris. Mit der Schenkung läuft das Metropolitan, das mit seiner Sammlung 5000 Jahre Kunstgeschichte abdeckt, aber bislang Lücken im Bereich der Moderne aufzuweisen hat, im Bereich Kubismus wohl sogar dem Museum of Modern Art den Rang ab. Und macht der internationalen Konkurrenz, der Eremitage in St. Petersburg und dem Pariser Centre Pompidou, Konkurrenz. Lauder entschied sich für das Metropolitan, weil es ihm wichtig war, dass die Kubismus-Bewegung und die Kunst, die folgte, im Rahmen der Sammlung eines der größten enzyklopädischen Museen der Welt – und natürlich in seiner Heimatstadt New York – gesehen und studiert wird.

Lauders Sammlung sei unerreichbar, was die Zahl der Meisterstücke und der bedeutenden Werke zur Entwicklung des Kubismus als revolutionäre Neuerung in der Kunst betrifft, ließ das Metropolitan verlauten. Zur Kollektion gehören Braques "The Trees at L’Estaque" von 1908, das als eines der ersten kubistischen Werke gilt, Picassos "Woman in an Armchair (Eva)” von 1913/14, sowie Picassos Skulptur "Le Verre D`Absinthe" von 1914 – eine der ersten Arbeiten, die ein Objekt, nämlich
einem Absinth-Löffel, enthält.

Geldgeschenk mit Bedingung

Leonard Lauder ist der Sohn von Joseph und Estée Lauder, den Gründern des erfolreichen Kosmetikkonzerns Estée Lauder. Sein jüngerer Bruder Ronald Lauder gründete 2001 mit der Neuen Galerie sein eigenes Museum für deutsche und österreichische Kunst des frühen 20. Jahrhunderts. Er sitzt im Vorstand des MoMA, während Leonard Lauder mit seinem Vermögen die Zukunft der beiden anderen bedeutenden Kulturinstitutionen der Stadt lenkt.

So vermachte er 2008 als langjähriger Vorstand dem New Yorker Whitney Museum die enorme Summe von 131 Millionen Dollar. Das Geldgeschenk erfolgte jedoch unter der Bedingung, dass das Whitney sein Marcel-Breuer-Gebäude an der Madison Avenue in naher Zukunft nicht verkaufen dürfe. Gleichzeitig arbeitete er den Plan aus, dass das wachsende Metropolitan Museum das Breuer-Gebäude für mindestens acht Jahre übernimmt, nachdem das Whitney 2015 sein neues Zuhause im Meatpacking District bezogen hat. In dieser Zeit werden die Galerien für moderne und zeitgenössische Kunst im Metropolitan renoviert, wo schließlich Lauders Kubismus-Schatz seinen Platz finden soll. Die komplette Sammlung wird zum ersten Mal 2014 ausgestellt werden.