Yang Fudong - Zürich

Ein Lebensgefühl abseits vom Wirtschaftsplan

Der Fotograf Yang Fudong fängt die unbekannte Seite des Boomlandes China ein – bei ihm wird der Überlebenskampf streunender Hunde als Sinnbild Chinas. Die Kunsthalle Zürich widmet ihm jetzt eine große Ausstellung.
Bilder der Entwurzelung:Einer der bekanntesten Künstler Chinas

Er nahm an der documenta und der Venedig Biennale teil, drehte kunstvolle Werbeclips für Prada: Yang Fudong ist einer der international profiliertesten chinesischen Künstler. Yang Fudong: "The First Intellectual." (2000)

Karger kann eine Landschaft kaum sein. Hunde streunen über ausgefahrene Straßen. Der Schornstein einer Ziegelei ragt in den Himmel. Im Hintergrund schimmern ein paar armselige Hütten durch das diesige Grau.

Yang Fudong zeigt die Trostlosigkeit des Dorfes Que. Er ist für seinen Film "East of Que Village" in den 100-Seelen-Ort bei Peking zurückgekehrt, aus dem er stammt, und macht den Überlebenskampf streunender Köter zur Chiffre für die Situation seines Landes.

Während im Westen alle auf den Wirtschaftsboom des Riesenlands starren, geht der 1971 geborene Künstler dahin, wo kaum ein westlicher Journalist zu finden ist. Im Hinterland, in den weiten Landstrichen, denen durch die rasante Industrialisierung die Menschen abhanden gekommen sind, findet er Bilder für die Entwurzelung, die die Generation seiner Landsleute zwischen 20 und 40 prägt. Mit langen Einstellungen, oft in Schwarzweiß, und mit traumartigen Bildern fängt er ein Lebensgefühl ein, für das es weder einen Wirtschaftsplan noch griffige Formulierungen gibt.

Das neue Lebensgefühl Chinas

Am virtuosesten gelang Yang Fudong das bisher in dem fünfteiligen Filmzyklus "Segen Intellectuals in a Bamboo Forest". Sieben Schriftsteller und Künstler aus verschiedenen Zeiten ziehen sich in einen Bambuswald zurück, bilden eine Kommune und leben doch ihre Individualismen, bevor sie mit kargen Mitteln Reis pflanzen und dann in ihre Heimatstadt Shanghai zurückkehren. Ihre Verlorenheit spiegelt nicht nur die jüngste Geschichte Chinas zwischen Kulturnation, Kulturrevolution und Konsumkommunismus, sondern auch zwischen den Werten von Stadt und Land, Vergangenheit und Gegenwart.
In Zürich werden bei Yang Fudongs erster großer Retrospektive im Westen die ästhetischen Aspekte des Werks ins Zentrum gerückt. Der Bezug zum chinesischen Film noir aus den zwanziger und dreißiger Jahren wird mit einem eigenen Filmprogramm hervorgehoben.

Yang Fudong "Estranged Paradise. Works 1993–2012"

Termin: bis 26. Mai, Zürich, Kunsthalle. Es erscheint ein Katalog im Verlag jrp/Ringier, Preis: 60 Franken

Gegen Vorlage ihrer artcard erhalten unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt.
http://www.kunsthallezurich.ch/akt_index.htm

Mehr zum Thema auf art-magazin.de