Konrad Klapheck - Düsseldorf

Flucht aus dem Maschinenraum

Normale Alltagsgeräte wurden in seinen Bildern zu bedrohlich lebendigen Wesen. Konrad Klapheck verfolgte in der Malerei seinen eigenen Weg und wird dafür als Klassiker gefeiert. Heute malt er statt Maschinen lieber nackte Frauen

Die Wegbeschreibung am Telefon ließ keine Fragen offen. Der Künstler gab sogar die genaue Position der Türklingel durch und die Anzahl der Stufen, die von der Haustür in sein Düsseldorfer Atelier führen. Konrad Klapheck gilt als Präzisionsfanatiker.

Seine penibel gemalten Maschinenbilder, mit denen er in den sechziger Jahren bekannt wurde, sind von einer so ausgefeilten Genauigkeit, dass man kaum glauben mag, dass Klapheck die Vorbilder nicht exakt abgemalt hat. Die Geräte in diesen Bildern – meist Schreib- oder Nähmaschinen – sind raffinierte Manipulationen, Verzerrungen, Personifizierungen. Sie wirken wie Wesen, deren eisige Schönheit auf äußerster Perfektion beruht.

Umso erstaunter ist man, sich schließlich in einem Gespräch über rosafarbene Volants und Pumps mit Leopardenmuster wiederzufinden. Hat der korrekt gekleidete Herr, der stets so wohlbedacht formuliert, tatsächlich gerade von einer Oberarm-Tätowierung geschwärmt? Ungeniert und ziemlich lässig berichtet Klapheck von seinem Besuch bei Vanessa del Rio, einer alternden Pornoqueen, die in ihrem mit Nippes überladenen Wohnzimmer in Long Island ihr eng sitzendes quietschrosa Oberteil von der Schulter zog, bevor sie ihm und seiner Lebensgefährtin Wanda Modell stand. "Das war ein toller Nachmittag", ruft Klapheck und lehnt sich entspannt in einen Samtsessel voller Farbflecken. Apropos Flecken: Auch sein Atelier hatte man sich anders vorgestellt, steriler vermutlich, nicht so unaufgeräumt mit all den herumliegenden Farbflaschen, Luftpolsterfolie, Schmierlappen.
"Zufall", antwortet der Maler, wenn man ihn fragt, was um alles in der Welt ihn denn ins Wohnzimmer einer ehemaligen Sexfilmdarstellerin verschlagen hat. Vor mehr als fünf Jahren habe er dem Verleger Benedikt Taschen von einer bevorstehenden Galerieausstellung bei David Zwirner in New York erzählt. Taschen hatte in der Stadt zur selben Zeit eine Buchvorstellung mit del Rio, einer drallen New Yorkerin, die es in den siebziger Jahren als erste hispanische Pornodarstellerin zu Kultstatus gebracht hatte. So kam eins zum anderen.

Heute steht die Vorzeichnung zu einem Vanessa-del-Rio-Porträt in Klaphecks Düsseldorfer Atelier. Die Komposition ähnelt der einer Mariendarstellung: del Rio als gigantische Lichtgestalt zwischen Klapheck und seiner Freundin, die wie die Stifter in Renaissancegemälden deutlich kleiner zu beiden Seiten platziert sind. Neben diesem lehnen weitere, bereits fertiggemalte Bilder an den Wänden. Sie zeigen Schreibmaschinen, Jazzmusiker – und das Porträt einer pechschwarzen Verrenkungskünstlerin, die ihren Oberkörper von hinten durch die eigenen Beine biegt. Klapheck hatte die Artistin bei einer André-Heller-Show gesehen und war beeindruckt. Wie immer bei solchen Gelegenheiten hatte er ein Skizzenheft dabei. Es sind Werke wie dieses, die zahlreiche Klapheck-Verehrer befremden – zu Recht. Verlässlich malte der Künstler fast ein halbes Jahrhundert lang eine Maschine nach der anderen. Plötzlich bevölkern Menschen, Orte, Accessoires die Leinwände, es gibt Nackte und sogar Sex.

Das Porträt ist der Mai-Ausgabe von art entnommen. Den vollständigen Text finden Sie im aktuellen Heft

Ausstellung

bis 4. August im Museum Kunst­palast, Düsseldorf

Katalog: Hirmer Verlag, 24,90 Euro
http://www.smkp.de/ausstellungen/aktuell/klapheck-bilder-und-zeichnungen.html

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