John Bock - Hamburg

Wiederaufstehung der Performance

John Bock arbeitet daran, die Performance zurückzubringen – im Kunstverein Hamburg eröffnet jetzt sein alle Sinne ansprechendes Welttheaterspektakel.

Man könnte John Bock als ein orgiastisches Gesamtkunstwerk bezeichnen: ein oft in bizarren Ganzkörperkostümen steckender Aktionist, der sich samt seinen skulpturalen Ausformungen in einem begehbaren Kokon einspinnt und von dort aus immer weitere groteske Handlungsverläufe in Anspielung auf die Absurdität des Welttheaters anzettelt.

Bock baut an einem installativen Kosmos, in dessen Chaosgebilde geradezu dadaistisch Film und Ton, Kostüme und Requisiten, Fundobjekte und Trash, Morbides und plastische Wucherungen zu implodieren scheinen. Und wenn er nicht selbst im Zentrum des Perpetuum mobiles steht, dann übernehmen Nagetiere wie Hasen oder Meerschweinchen und zunehmend auch Schauspieler diesen Part.

"Als ich mit meinen Aktionen anfing, war die Performance quasi tot", gibt John Bock zu bedenken. Zugleich führte er als erster europäischer Künstler überhaupt die Sprache in die Performancekunst ein. Nicht zuletzt rührt Bocks Interesse an ökonomischen Prozessen und Entgleisungen von einem vormaligen Wirtschaftsstudium her. Bis heute spielen deshalb Diagramme eine große Rolle in dem auf Exzess gebürsteten Szenario des 1965 geborenen Wahlberliners.

Im Hamburger Kunstverein wird Bock nun wiederum eine alle Sinne überwältigende Installation einrichten. Über fünf Räume hinweg wird sich das Bocksche Pan­optikum im Kunstverein ziehen. Eingangs betört ein von dem Geruch gekochter Kartoffeln und gegorenen Heus geschwängerter "Duftraum", an den sich ein "Soundtrackraum" mit vor sich hin fiepsenden kleinen Objekten anschließt. Im Fokus des gespenstischen Geschehens aber befinden sich einmal in einem Einweckglas konservierte, dann als filmische Projektion im Auge einer Steinskulptur auftauchende Blutegel. Die Steinskulptur wiederum wird von einer Schauspielerin namens "Quasimi" besetzt sein, deren Kopf in einem von einer Kamera überwachten Karton steckt. "Wie bei Frankenstein soll die Steinskulptur zum Leben erweckt werden und über den Film illusionistisch wirken", sagt Bock. Und weiter erläutert er das den Betrachter herausfordern­de Spektakel in der für ihn ganz typi­schen Wortschöpfungsmanier: "Es ist ein Schlussfolgerungskunstpiece!"

John Bock

Hamburg, Kunstverein
1.5.– 30.6.

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